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Salzgrotte

Neuer Trend Salzräume: Wie ein Tag am Meer ?

Salzgrotten versprechen Erholung pur und Besserung bei zahlreichen Krankheiten. // Von Gisa Bührer-Lucke

Sie schießen derzeit in deutschen Städten wie Pilze aus dem Boden: Künstlich angelegte Salzgrotten, auch Salzzimmer, Salzkammern oder Salz-Spas genannt. Beim Eintritt in einen Salzraum wird man mit leisen, sphärischen Klängen, mit Wellenrauschen oder Vogelzwitschern empfangen. Die Luft riecht salzig.

Tonnenweise Salz aus dem Himalaja und dem Toten Meer wird für die Auskleidung dieser Räume verwendet. Wände, Boden – alles ist aus Salz. Der Fantasie sind bei der Ausstattung keine Grenzen gesetzt und so erinnern auch manche Grotten an Tropfsteinhöhlen, in denen die Stalaktiten von der Decke sprießen.

Je nach Größe stehen zehn, 15 oder auch 20 bequeme Liegestühle für die Besucher bereit. Umziehen muss man sich nicht. Die Temperatur in der Grotte liegt zwischen 19 und 22 Grad. Für notorische Fröstler liegen Decken bereit. Die Beleuchtung ist gedimmt, diverse Farbspiele sorgen für eine geheimnisvolle Atmosphäre. Fehlanzeige für alle, die ein Buch dabeihaben. Zum Lesen ist es zu dunkel. Es ist allerdings sowieso nicht Sinn der Sache − schließlich steht Entspannung an oberster Stelle. 45 Minuten lang Nichtstun und reine, salzhaltige Luft einatmen. Die Gedanken laufen lassen, oder ins Reich der Träume versinken. Das ist in solch einer Umgebung nicht schwierig. Und danach geht es erfrischt und entspannt wieder in den staubigen Alltag hinaus.

Auch für Kinder, die meist zu einer bestimmten Uhrzeit kommen dürfen, wird die Salzgrotte zum abwechslungsreichen Erlebnis. Sie können mit kleinen Baggern und Lastwagen Salz befördern oder Salzkuchen backen.

Die Idee der Salzkammern stammt aus Osteuropa und Russland. Dort sind die künstlichen Salzeinrichtungen schon länger verbreitet und erfreuen sich regen Zuspruchs. Entspannung gibt es garantiert bei diesem neuen Wellnesstrend. Was ist aber mit dem gesundheitlichen Aspekt? Nach Aussage der Betreiber sollen 45 Minuten Aufenthalt so gesund sein wie ein ganzer Tag am Meer. Atemwege und die Haut sollen von der antibakteriellen, entzündungshemmenden und allergenfreien Luft profitieren. Deshalb werden die Salzräume bei Lungenerkrankungen, Allergien oder Neurodermitis empfohlen. Doch noch fehlen wissenschaftliche Untersuchungen und Studien, die diesen Nutzen nachweisen. Zumindest, was die derzeitigen Einrichtungen betrifft. Es reicht auch nicht, einfach ein Zimmer mit Salz auszukleiden. Um ein annähernd identisches Klima herzustellen, wie es in einem Salzbergwerk herrscht, arbeiten einige Salzgrotten-Betreiber mit einem Generator, der das Salz in der Luft verwirbelt. Dabei entstehen kleinste Partikel, die auch tief in die Bronchialverästelungen eindringen können. Eine Salzgrotte ohne solch einen Vernebler mag zwar der Entspannung dienen, von wirklichem medizinischen Effekt ist sie vermutlich nicht. Wichtig ist auch eine niedrige Luftfeuchtigkeit von nicht mehr als 40 bis 50 Prozent.

Soleheilbäder und Salzbergwerke

Generell besteht kein Zweifel am medizinischen Effekt der weißen Körner. Salz war schon immer mehr als nur ein Würzmittel. Solebäder und Soleinhalationen (Sole = Salz und Wasser) gab es bereits im 19. Jahrhundert. Der Mediziner Johann Wilhelm Tolberg gründete 1802 das erste Soleheilbad in Deutschland. Die Menschen kurierten in diesen Salzbädern Gicht, Schuppenflechte und Rheuma. Auch am Meer oder unter Tage in den Salzbergwerken suchten Patienten mit Asthma und chronischer Bronchitis Linderung.

Insbesondere den Salzbergwerken eilte ein heilender Ruf voraus. Die Ärzte hatten festgestellt, dass die Männer, die sich in den Tiefen schindeten, trotz der anstrengenden Arbeit ein höheres Lebensalter erreichten und vor allem keine Lungenprobleme entwickelten. Ganz im Gegensatz zu den Kollegen, die unter Tage Kohle schürften. Die Mediziner forschten nach der Ursache und fanden des Rätsels Lösung im Salz. Diese unscheinbaren Kristalle hatten eine verblüffende Wirkung auf die Atemwege. Sie hielten Lunge und Bronchien frei. Nach diesen Erkenntnissen wurde aus so manchem Salzbergwerk eine Heilstätte. Eine der ältesten entstand im polnischen Salz­bergwerk Wieliczka. Der einzige Salzheilstollen Westeuropas liegt im bayerischen Berchtesgaden 800 Meter tief im Berg. In den Stollen können Besucher mit einer Elektrobahn fahren, entweder für ein paar Stunden oder auch zum Übernachten. Sogar Obertonkonzerte und Klangreisen werden angeboten. Hauptattraktion ist aber auch hier die reine und salzhaltige Luft. 

Das weiße Gold

GewichtsmanschetteIm sechsten Jahrhundert v. Chr. hatten die Kelten am Dürrnberg bei Salzburg die ersten Salzschichten entdeckt und fingen mit der schweren Arbeit unter Tage an, die ihnen Wohlstand bescherte. Als die Römer dann vor 2000 Jahren ins Alpenvorland vordrangen, brachten sie ihr eigenes Salz aus dem Meer mit und die keltischen Salzbergwerke gerieten in Vergessenheit.

Im Mittelalter lebte die Salzgewinnung um Dürrnberg wieder auf und es entstanden bedeutende Handelszentren in dieser Gegend. Da Salz begehrt und nicht in allen Regionen verfügbar war, sprach man bald vom „weißen Gold“. Städte, die Salzabbau betreiben konnten, wurden zu wohlhabenden Metropolen wie die Stadt Lüneburg, die ein wichtiger Salzlieferant für die Hanse war.

Wie groß der Stellenwert von Salz schon immer war, zeigt sich auch in dem Wort Salär, das wir heute als etwas veralteten Begriff für Gehalt oder Entgelt kennen. Er stammt aus der Antike, in der römische Legionäre einen Teil ihres Lohns in Salz ausbezahlt bekamen. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen Salarium ab und bedeutet Salzration.

Salz war schon in der Antike nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern auch bereits als Heilmittel bekannt. Der berühmte Arzt Hippokrates verwendete es bei allerlei Gebrechen und Verletzungen wie Bissen, Geschwüren, Warzen, als Gurgelmittel, bei Blutergüssen und sogar bei Nervenleiden. Ausgrabungen am Toten Meer förderten Überreste von ausgeklügelten Kuranlagen und Heilbädern zutage. Salz wurde aber auch zu Konservierungszwecken von Fisch und Fleisch genutzt. Und für die Ägypter waren die weißen Kristalle wichtiger Bestandteil bei der Mumifizierung ihrer Toten.

Meersalz, Steinsalz und Siedesalz

Heute wird auf drei unterschied­liche Arten Salz gewonnen. Meersalz stammt aus künstlich angelegten Salzgärten. Sonne und Wind trocknen das Wasser, Salz bleibt übrig. Das Meersalz zeichnet sich durch seine Grobkörnigkeit und den guten Geschmack aus. Das Steinsalz kommt aus Salzbergwerken.

Es wird in unterirdischen Stollen ab­gebaut. Die Stein­salz­lager­stät­ten entstanden vor rund 230 Millionen Jahren durch das Ver­dunsten früherer Meere. Dann gibt es noch das Siedesalz, das aus unterirdi­schen Salz­wasservor­kommen gewonnen wird.

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