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Schönheit & Pflege

Im Bann von Pflanzen und Düften

Ätherische Öle sind die wichtigste Zutat in den Cremes, Shampoos, Naturparfums, Raumdüften und Ölmischungen des Schweizer Naturkosmetikunternehmens Farfalla. // Von Jutta Krause

Der Duft zieht durchs ganze Haus und steigt einem selbst im Lager noch angenehm in die Nase. Es ist vor allem dieser Duft, der die modernen Labor- und Büroräume der Schweizer Naturkosmetikfirma Farfalla von denen anderer Unternehmen unterscheidet. Im „Tresor“, einem auf 12 Grad gekühlten Raum, lagert kein Geld, wohl aber der aromatische Gegenwert einer erklecklichen Summe: In hohen Regalen reihen sich Hunderte großer Flaschen mit Pflanzenölen und ätherischen Ölen aneinander. Hier findet sich alles, was in der Welt der Düfte Rang und Namen hat und einiges, was nur wenige Spezialisten zu schätzen wissen − vorzugsweise in Bio-Qualität.

Jean-Claude Richard kennt sie alle. Er ist nicht nur einer der vier Gründer des Unternehmens Farfalla, sondern auch die „Nase“. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Aromatologe und Osmologe intensiv mit Geruchsforschung und ist fasziniert von der komplexen Wirkung der Essenzen. Er verleiht den Naturkosmetikprodukten mit dem Schmetterlingsflug im Namenszug ihren Duft und sorgt für harmonische Wirkstoffkombinationen.

Farfalla Produktion

Links: Laborantin Fabienne Stockmann sorgt für die Verbindung biologischer Basisöle mit wertvollen Essenzen. Das Ergebnis: duftende Körperöle.
Rechts: Der im Frühjahr 2009 bezogene Farfalla-Hauptsitz in Uster, im Schweizer Kanton Zürich.

Wie ein Bild aus einzelnen Puzzleteilen

Von der Idee bis zum fertigen Naturparfum, Gesichtsfluid oder Shampoo vergeht dabei oft viel Zeit, manchmal sogar mehrere Jahre. Zuerst muss die Vorstellung reifen, die Komponenten müssen geprüft werden und die vielschichtigen Naturdüfte mit ihren Hunderten von Bestandteilen brauchen Zeit, um sich zu verbinden.

„Am Anfang steht bei mir immer ein Name oder eine Vorstellung“, beschreibt Jean-Claude Richard den Prozess. „Wenn ich ein Produkt entwickle, sehe ich die Person vor meinem geistigen Auge, die das später verwendet und entscheide entsprechend, welche Extrakte und Düfte passen. Ich versuche dabei, mir das Dufterlebnis der Person vorzustellen.“ Die Entwicklung vergleicht der Aromatologe gern mit einem Bild aus einzelnen Puzzleteilen, das im Verlauf des Kreierens immer vollständiger und schärfer wird.

Oft verwendete Öle stehen im Mischraum: Rosenessenzen, Magnolienöl, Frangipani, Kakao, Kokos, „Love in a Mist“, Tuberose, Tonkaessenz, Cassis und viele mehr. Im Augenblick dominiert hier der holzig-warme Duft von Rosmarinöl, das nebenan in kleine Fläschchen abgefüllt wird. Im großen Büroraum ein Stockwerk höher steht die „Aromabar“: Hier laden rund 250 blaue Fläschchen mit ätherischen Ölen und eine Waage zum Experimentieren ein.

Jean-Claude Richard bewegt sich seit fast 25 Jahren im Reich der Düfte − zusammen mit seinen drei Freunden und Firmenpartnern bei Farfalla. „Vier Stöckli sind stärker als ein Stöckli“: Mit diesem Bild beschreibt er, warum die vier Firmengründer schon so lange erfolgreich zusammenarbeiten. „Uns verbindet eine tiefe Freundschaft. Wir sind zusammen zur Schule gegangen und haben auch schon vor Farfalla viel gemeinsam unternommen.“

Links: Im Duftgarten vor dem Firmengebäude blühen Rosmarin und Lavendel. Rechts: Die vier Gründer Gian Furrer, Marianne Richard, Jean-Claude Richard und Paul Gisler.

Er und Marianne Richard, Paul Gisler und Gian Furrer wohnten in diversen WGs zusammen und tingelten als Musiktheater mit selbst vertonten Sagen aus dem Kanton Uri durch die Clubs. Eigentlich hatten sie vor, gemeinsam ein Restaurant zu eröffnen. Auf die Duftöle, das Herz von Farfalla, kamen sie durch Zufall: Ein Freund, der – damals als einziger weit und breit – ätherische Öle auf Wochenmärkten verkaufte, lagerte seinen Duftvorrat im Keller der vier Freunde und weckte so ihr Interesse an den Essenzen. „Jeden Tag sind wir runter und haben an den Fläschchen gerochen. Wir waren fasziniert davon. Als unser Freund dann 1982 auf eine große Reise ging, haben wir die Düfte übernommen“.

Sorgfältige Auswahl der Hersteller

Mit zunehmender Begeisterung erkundeten die Vier die Vielfältigkeit dieser Pflanzenstoffe, ihre Wirkungen und ihren Einsatz in der Kosmetik. 1985 eröffneten sie in Zürich den ersten Duft- und Naturkosmetikladen der Schweiz. „Die Tagesumsätze“, erinnert sich Richard, „lagen am Anfang bei 15 bis 20 Franken. Doch der Zeitgeist hat uns geholfen und wir wuchsen ziemlich schnell.“ 1988 kam ein zweites Geschäft in Basel hinzu, 1990 bezog Farfalla einen größeren Laden in Zürich, drei Jahre später ein neues Produktionslabor. Heute beschäftigt die Firma mit Sitz in der beschaulichen Kleinstadt Uster bei Zürich 72 Mitarbeiter und hat um die 150 Naturkosmetikprodukte im Repertoire, die allesamt die subtile, aber spürbare Wirkung der ätherischen Öle nutzen. Den Namen – Farfalla ist italienisch und bedeutet „Schmetterling“ – wählten die vier Firmengründer mit Bedacht: Wie der Schmetterling von Blüte zu Blüte flattert, um deren Nektar einzusaugen, so sammeln sie in der ganzen Welt die duftenden Essenzen für ihre aromatische Gesichtspflege, Bäder oder Körperöle. Um festzustellen, ob die gewählten Wirkstoffe verwendet werden können, sind eine Reihe von Untersuchungen nötig. Dazu arbeitet Farfalla mit unabhängigen Labors zusammen, die intensive Rohstoff-Forschung betreiben.

Mit einigen Lieferanten fast wie verheiratet

Die Rohstoffe müssen indes nicht nur gesetzlichen Auflagen und den BDIH-Richtlinien für zertifizierte Naturkosmetik entsprechen, sondern auch den hohen Anforderungen an Ethik und Qualität, die die vier Farfalla-Gründer in ihrer Firmenphilosophie festgeschrieben haben. So ist zum Beispiel die nachhaltige Produktion ein wichtiges Kriterium. Ist sie nicht gewährleistet – etwa, weil die Ursprungspflanzen zu den gefährdeten Arten gehören oder weil bei deren Anbau Raubbau mit der Natur getrieben wird − verzichten die Schweizer lieber darauf.

Ein ebenso wichtiges Kriterium ist Fairness im Umgang mit allen am Prozess Beteiligten, vor allem den Bauern und Produzenten, mit denen Farfalla enge Kontakte pflegt. „Fairer Handel ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Mit vielen Rohstofflieferanten haben wir langjährige Beziehungen. Da sind regelrechte Freundschaften entstanden“, erklärt Markus Wegmann, der für den Einkauf zuständig ist. Den langjährigen Partnern fühlt sich das Schweizer Unternehmen verpflichtet, auch in schwierigen Marktlagen. „Wir sind nicht mit unseren Lieferanten verheiratet, aber mit einigen zumindest verlobt“, meint Wegmann schmunzelnd.

Zertifizierte „Fairwild“-Sammlung

Die duftenden Rohstoffe, die Farfalla aus 45 Ländern rund um den Globus bezieht, unterliegen strengen Qualitätskriterien: Zu 70 Prozent sind sie aus biologischem Anbau. Einen hohen Anteil hat dabei die Bio-Wildsammlung, möglichst nach den strengen Kriterien von „Fairwild“, einem Label, das für Nachhaltigkeit und gegen Kinderarbeit eintritt. „Dafür zahlen wir gerne höhere Preise,“ erklärt Markus Wegmann und nennt ein Beispiel: „Rosmarin oder Berglavendel bekomme ich auf dem Markt für ein Fünftel unserer Kosten, aber eben nicht aus zertifizierter Fairwild-Sammlung.“

Um den hohen Standard zu gewährleisten, wählt Farfalla seine Hersteller − oft Kooperativen und kleine Betriebe − sorgfältig aus. „Die meisten Produzenten kenne ich seit vielen Jahren“, erzählt Jean-Claude Richard. „Ich weiß, wie die Gegend aussieht, in der die Pflanzen wachsen und welche Verbindung die Bauern zu ihrem Land und ihrer Arbeit haben. Man muss an Ort und Stelle sein, um zu sehen, ob jemand des Geldes wegen auf Bio macht oder ob sein Herz dafür schlägt.“

Der Traum der vier Freunde, ihre Begeisterung für natürliche Düfte an andere Menschen weiterzugeben, hat sich weit über ihre kühnsten Visionen hinaus erfüllt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind sie auf Wachstumskurs. Der nächste Schritt wird gerade in dem provenzalischen Örtchen Correns vorbereitet. Dort, im ersten „Bio-Dorf“ Frankreichs (90 Prozent der Fläche sind bio-zertifiziert), wurden bereits rund 40.000 Setzlinge aromatischer Pflanzen wie Rosmarin, Thymian, Melisse, Minze und Salbei gepflanzt. Vor Kurzem errichtete Farfalla dort zusammen mit einem lokalen Partner eine eigene Bio-Essenzen-Destillerie. 

Steckbrief

Name: Farfalla
Gegründet: 1985 von Jean-Claude Richard, Marianne Richard, Gian Furrer und Paul Gisler in Zürich als erster Duft- und Naturkosmetikladen der Schweiz
Firmensitz: Uster, Schweiz
Mitarbeiter: 72
Produkte: Gesichts- und Körperpflegeprodukte, Naturshampoos und Haarprodukte, Körper- und Massageöle, Badezusätze, Ätherische Öle und Mischungen, Raumdüfte, Räucherwerk.
Homepage: www.farfalla.ch
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