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Frau mit Baby badet

Weniger ist mehr

Wasser, Mandelöl, Ringelblume. Babyhaut braucht nicht viel. Meist genügen Luft und ein wenig Öl oder Creme, mit Liebe einmassiert. // Von Leo Frühschütz

Babyhaut ist weich – und besonders dünn. Sie ist bis zu fünf Mal dünner als die Haut von Erwachsenen. Von schützender Hornhaut keine Spur. Und sie muss noch viel lernen. Die Talg- und Schweißdrüsen arbeiten auf Sparflamme. Die Fettschicht erneuert sich nur langsam und auch die Temperaturregelung funktioniert noch nicht richtig. Deshalb brauchen Babys eine andere Hautpflege als Mama und Papa.

Der wichtigste Grundsatz heißt: „Je weniger, desto besser“. Tägliches Baden, bei dem die Fettschicht abgewaschen wird, bringt Babys Haut ebenso durcheinander wie dauerndes Eincremen, das den Talgdrüsen die Arbeit abnimmt. „Ein gesundes Baby braucht Luft und Liebe, Wasser und Öl“, sagt Edith Wolber, Sprecherin des deutschen Hebammenverbandes. Ein wenig Babycreme ist nur in zwei Fällen angezeigt: Als Pflege für gerötete Haut und zum Schutz des Gesichts vor Wind und Kälte.

Baby wird gebadet

Was tun, wenn die Haut entzündet ist?

Zum Alltag auf dem Wickeltisch gehört häufig ein wunder Po. Das feuchtwarme Klima in der wasserdichten Windel ist ein guter Nährboden für Bakterien und weicht zudem die Haut auf. Als Reaktion auf diese Belastung wird die zarte Haut manchmal flammend rot. Eine Creme, die hier helfen soll, braucht zweierlei: eine verträgliche pflegende Grundlage sowie Zutaten, die die Reizung lindern. Basis von Naturkosmetik-Cremes sind natürliche Öle, Fette und Wachse, die möglichst aus ökologischem Anbau stammen. Als besonders wertvoll gelten Mandel- und Jojobaöl sowie Sheabutter. Auch Wollwachs (Lanolin) ist eine häufige Zutat und bei Weitem nicht so allergisierend, wie es ältere Studien vermuten lassen. Künstliche Fette auf Erdölbasis, die sich immer noch in einigen konventionellen Babycremes finden, kommen bei echter Naturkosmetik nicht in Tube oder Tiegel. Denn sie bilden einen dichten Film auf der Haut, der den Feuchtigkeitsausgleich be­­hindert. Auch auf synthetische Konservierungsmittel, Duft- und Farbstoffe verzichten naturkosmetische Produkte.

CalendulaWas die wundheilende Wirkung angeht, ist Calendula, die satt orange blühende Ringelblume, für die meisten Hersteller die Pflanze der Wahl. Schon die berühmte Hildegard von Bingen hatte ihre entgiftenden und heilenden Eigenschaften gelobt. Chemiker haben in den Blüten eine Reihe von Stoffen gefunden, die Bakterien und Pilze hemmen. Auch andere Arzneipflanzen mit antibakterieller oder hautberuhigender Wirkung finden sich in Babycremes, etwa Kamille, Schafgarbe oder Johanniskraut.

Ein mineralischer Wirkstoff gegen Bakterien, der sich in einigen Cremes findet, ist Zinkoxid. Den Babypopo dick einzupudern, wie es früher üblich war, empfiehlt man heute übrigens nicht mehr. Die kleinen Klümpchen, die der Puder in Verbindung mit Creme bildet, können die Haut zusätzlich reizen.

In Babycremes, die nicht der Pflege empfindlicher oder wunder Haut dienen, sondern das Gesicht vor Wind und Kälte schützen sollen, spielt neben den Pflanzen-Wirkstoffen vor allem der etwas höhere Fettgehalt eine wichtige Rolle.

Auch mit Wasser geht man heute bei Babys sparsamer um als früher. Vom täglichen Schaumbad raten die meisten Hebammen ab. Babys lieben zwar die Badewanne, doch „ein- bis zweimal die Woche ein Bad mit einem Schuss gutem Olivenöl oder Milch genügt,“ rät Edith Wolber. Babys machen sich nicht so schmutzig, dass waschaktive Substanzen notwendig wären. Popo, Gesicht, Kopf und die Babyspeckfalten lassen sich auch mit Wasser und einem weichen Lappen reinigen. Grundsätzlich sollte das Spielen und Genießen im warmen Badewasser im Vordergrund stehen, meint die Hebammensprecherin. Babybäder sind in der Regel tensidfreie Ölbäder, bei denen pflanzliche Öle die Haut reinigen und gleichzeitig rückfetten.

Erst wenn die Kinder im Dreck spielen, braucht es mehr. Für kleine und größere Kinder sollten die eingesetzten Tenside möglichst mild sein. Naturkosmetik-Hersteller verwenden dafür Zuckertenside und waschaktive Substanzen auf der Basis von Kokosfett oder Erbsenproteinen. Sie schäumen nur schwach, reinigen aber dennoch sehr wirkungsvoll. Ob die Augen deshalb tatsächlich nicht brennen, kann nur die Praxis in der Badewanne zeigen. Kinder sind da unterschiedlich empfindlich.

Wohltuende Babymassage

Das Schönste am Baden ist die Massage danach. Weil das Wasser die Haut austrocknet und den Säureschutzmantel angreift, braucht sie jetzt etwas Pflege. Bei Babys und Kleinkindern, deren Haut von Natur aus eher fettig ist, sollten Mama und Papa dafür kein Öl, sondern eine leichte Lotion verwenden. Vor allem aber müssen dabei die Hände warm sein. Schließlich soll das Baby nicht vor Schreck, sondern vor Begeisterung quietschen.

Natürliche Pflege fürs Baby

BabyEinige Naturkosmetik-Hersteller empfehlen für die Jüngsten ihre Pflegeprodukte für empfindliche Haut. Ein Dutzend Naturkosmetik-Firmen bietet außerdem noch spezielle Baby- oder Kinderserien an. Einige, wie Eco-Cosmetics, Sanoll, Urtekram oder Wiona beschränken sich dabei auf die Basics: Creme, Lotion, Körperöl und etwas für Badewanne und Haarwäsche. Und Bioturm kommt nur mit Cremes und medizinischen Salben aus.

 

Bauchweh-Balsam, Windelcreme und Zahngel

Die Naturkosmetik-Firmen Avalon, Lavera, Logona, Töpfer und Weleda gehen ins Detail. Sie führen eigene Cremes für den Popo, ein Balsam gegen Bauchweh oder Zahngel und Sonnenmilch für Kleinkinder. Einige, wie Avalon, Logona und Töpfer, bieten zusätzlich noch eigene Serien für kleine und größere Kinder. Für deren Badespaß hat Tinti (Heidelberger Naturfarben) bunte Badezusätze auf den Markt gebracht. Speziell für empfindliche oder kranke Babyhaut sind Neutral-Serien gedacht, die ohne Duftstoffe und Pflanzenextrakte auskommen. Vom Demeter-Verband zertifizierte Pflegeprodukte haben die Firmen Tautropfen und Martina Gebhardt im Sortiment. Beide Firmen verzichten auch komplett auf Tenside und Emulgatoren aus natürlichen Rohstoffen. Ihre Zutatenlisten sind mit Abstand die kürzesten.

Auch Bio-Tücher und Windeln

Ergänzt wird das natürliche Babypflege-Angebot durch feuchte Tücher und Watte-Pads. Auch Windeln aus ungebleichtem Zellstoff gibt es in vielen Bio-Läden. Und für zahnende Babys bietet der Kräuterspezialist Heuschrecke ein altes Hausmittel an: Veilchenwurzel aus Bio-Anbau.

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