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EntscheidungenEntscheidungen - Kopf oder Bauch?

Entscheidungen zu treffen fällt vielen Menschen schwer. Manche quälen sich tage- oder gar wochenlang damit herum. Mit einigen Tricks fällt die Entscheidungsfindung leichter. // Von Gisa Bührer-Lucke

Noch liegen bleiben oder lieber gleich aufstehen? Rock oder Jeans? Müsli-Frühstück oder Vollkornbrötchen? Jeden Tag treffen wir unzählige Entscheidungen. Meist sind es nur kleine, häufig sind wir uns gar nicht darüber bewusst. Aber es gibt auch die großen Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen: Den Auslandsjob annehmen oder nicht? In der Stadt wohnen bleiben oder doch lieber aufs Land ziehen? Familie, ja oder nein? Und manchmal ziehen auch die vermeintlich kleinen Entscheidungen größere Auswirkungen nach sich. Zum Beispiel, wenn man sich morgens dafür entscheidet, länger liegen zu bleiben, dadurch den Bus verpasst – und im späteren Bus den Mann fürs Leben trifft.

Manche Menschen treffen ihre Entschlüsse intuitiv, spontan, aus dem Bauch heraus. Und liegen oft genug damit richtig. Andere hingegen versinken in stunden-, ja manchmal sogar tage- und wochenlangen Grübeleien und Abwägungen um das Für und Wider. Für sie sind selbst so einfache Entscheidungen wie die Menüauswahl in einem Restaurant eine höchst schwierige Angelegenheit. Nicht selten fällt dann irgendwann der Satz: „Ich nehme einfach, was du nimmst“.

Beide Urteile integrieren

Und wer in einer Boutique vor der Qual der Wahl steht, nimmt entweder alle drei Pullover mit oder überhaupt keinen. Ist es da nicht sinnvoller, gleich auf den Bauch zu hören, anstatt auf den grüblerischen Kopf? „Besser ist es, beide Urteile zu integrieren. Die erste Stimme anhören und dann versuchen, sie noch mit Fakten zu unterfüttern“, rät die Mannheimer Diplom-Psychologin Dr. Doris Wolf.

Warum aber tun wir uns überhaupt so schwer mit Entscheidungen? „Weil wir Angst haben, eine falsche zu treffen, weil wir Angst vor Verantwortung, Fehlern, Ablehnung und Kritik haben. Und wir haben Angst, mit den negativen Konsequenzen einer Entscheidung nicht fertig zu werden. Es mangelt uns also am nötigen Selbstvertrauen, mit einer falschen Entscheidung leben zu können“, erklärt die Psychologin.

Diese Angst vor den Folgen einer falschen Entscheidung führt bei manchen Menschen dazu, den Kopf in den Sand zu stecken und erst gar keine zu fällen. Eine denkbar schlechte Einstellung, wie Dr. Wolf findet. „Keine Entscheidung zu treffen, hat ebenfalls Konsequenzen, zum Teil sogar negative, für die wir auch die Verantwortung tragen.“

Und ob eine Entscheidung falsch oder richtig war, kann ohnehin erst im Nachhinein festgestellt werden. Erweist sie sich tatsächlich als falsch, sollte man jedoch auf keinen Fall mit sich hadern oder sich in Selbstvorwürfen ergehen. Verzeihen Sie sich und buchen Sie das Ergebnis auf Ihrem Lebenskonto als neue Erkenntnis und Lernerfahrung ab. Dadurch nimmt man den negativen Ton aus der Angelegenheit und münzt sie um in etwas, aus dem man Lehren und damit Gewinn ziehen kann.

Tief verwurzelte Angst

Die Angst vor Entscheidungen ist übrigens nicht angeboren, sondern erlernt. In der Kindheit und Jugend machen wir häufig die Erfahrung, dass Fehler und Zuwiderhandlungen abgelehnt und kritisiert, im schlimmsten Falle bestraft werden. Das prägt. Daher ist die Angst vor Entscheidungen auch tief in uns verwurzelt, sodass wir intuitiv alles zu vermeiden versuchen, was Ablehnung hervorrufen könnte.

Die mangelnde Entscheidungsfähigkeit kann aber auch daher rühren, dass man als Kind oder Jugendlicher gar keine Entscheidungen treffen konnte und durfte, alles wurde einem von den Eltern abgenommen. So ließen sich keinerlei Erfahrungen sammeln und es fehlt das Vertrauen in die eigene Entschlusskraft. Sind diese Kinder dann erwachsen, müssen sie in vielen Fällen mühsam lernen, Vertrauen in das eigene Handeln zu entwickeln. Das ist nicht immer einfach, aber machbar. Mit der Zeit setzt dann das Begreifen ein, dass es keineswegs so schlimm ist, eine Wahl zu treffen.

Tipps: So fällt‘s leichter

Um die Entscheidungsfindung zu erleichtern, gibt es einige Tricks: Schreiben Sie eine Liste mit pro und kontra. Besprechen Sie Ihr Problem im Freundeskreis, von dort kommen oft ungeahnte Argumente und Hilfen. Erwarten Sie keine hundertprozentig richtige Entscheidung von sich. Sind Sie schließlich zu einem Entschluss gekommen, bleiben Sie dabei. Stellen Sie ihn nicht ständig in Frage.

Auch der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann, der sich mit der Komplexität unseres Alltags und der zunehmenden Informationsflut beschäftigt, hat zwei Tipps zur Entscheidungsfindung parat: Wer 70 Prozent der Informationen zur Verfügung hat, sie ausgewertet und für gut befunden hat, sollte sich entscheiden. 100 Prozent sind gar nicht notwendig. Außerdem sollte man nie länger über einer Sache brüten, als sie es tatsächlich wert ist. Denn, so Wippermann: „Wer sich nicht entscheidet, verliert seine Freiheit.“  

Stephanie Silber„Man kann trainieren“

Wie fällt das Entscheiden leichter? Wir haben dazu die Mannheimer Psychologin Dr. Doris Wolf (www.psychotipps.com) befragt.

Kann man Entscheidungsfindung eigentlich trainieren?

Ja, das kann man durchaus − indem man mit kleineren Entscheidungen beginnt und nach seinem Gefühl geht. Oder man kann versuchen, ganz spielerisch damit umzugehen, indem man einfach mal würfelt. Wichtig ist das Vertrauen darauf, dass man auch bisher alle seine Probleme lösen konnte.

Bauchmenschen reagieren oft ganz rasch aus der Situation heraus, Kopfmenschen überlegen sehr lange. Was raten Sie beiden Typen in Entscheidungssituationen?

Da Bauchmenschen spontan sind, sollten sie nach Möglichkeit eine Verzögerung bis zur Entscheidung einbauen und sich die Konsequenzen genau durchdenken. Für Kopfmenschen ist es am besten, sie malen sich aus, wie sie sich bei einzelnen Alternativen fühlen werden und wie sich ihr Leben verändern wird, wenn sie die eine und dann die andere Entscheidung treffen würden.

Was ist, wenn ich meinem Bauchgefühl vertrauen möchte, aber nicht wirklich etwas spüre?

Das kommt selten vor. Man kann trainieren, auf seine Körpersignale oder seine innere Stimme zu achten, wenn man vor einem Problem steht.

Und wie lassen sich Angst und Zeitdruck bei Entscheidungen vermeiden?

 Wenn es geht, sollte man aus dem Istzustand herausgehen und etwas völlig anderes machen, um in eine entspannte Situation zu kommen. Das hilft schon sehr. Dann tief durchatmen und sich an eine Gegebenheit erinnern, in der man sich selbstsicher und hoffnungsvoll gefühlt hat. Man sollte auch unbedingt prüfen, ob man wirklich unter Zeitdruck steht oder sich selbst unter Druck setzt.

Buchtipps:

  • Maja Storch: Machen Sie doch, was Sie wollen.
    Huber. 136 Seiten. 17,95 Euro
  • Dan Ariely: Denken hilft zwar, nützt aber nichts.
    Droemer. 320 Seiten. 19,95 Euro
  • Gerd Gigerenzer: Bauchentscheidungen:
    Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht
    der Intuition. Goldmann. 288 Seiten. 8,95 Euro
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