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Schönheit & Pflege


PflanzenenergieDas Geheimnis der Pflanzenenergie

In manchen Cremes und Lotionen stecken nicht nur pflanzliche Wirkstoffe. Sie enthalten auch Energie, Information, Rhythmus. Das spürt die Haut, sagen die Anhänger dieser traditionsreichen Naturphilosophien. // Von Leo Frühschütz

Kurz bevor die Sonne aufgeht, kommt Bewegung in die Ringelblumenblüten. Ein Mann nimmt den Deckel von dem großen Steinguttopf, in dem die Blüten der Blut reinigenden Pflanze schwimmen. Er greift sich einen meterlangen Löffel und beginnt zu rühren. Schnell und kräftig, etwa eine Minute lang. Es folgt eine kurze Pause, dann wiederholt sich die Prozedur. Nachdem der Mann in allen Töpfen umgerührt hat, verschließt er sie und auch das Schiebedach des Lagerraums. Es ist wieder stockdunkel.

Abends bei Sonnenuntergang wird der Mann erneut kommen, Tageslicht in den Raum lassen und rühren. Jeden Tag, eine Woche lang, während die Blüten ihre Inhaltsstoffe an das Gemisch aus Wasser und etwas Alkohol abgeben. Der Mann ist Mitarbeiter der Wala Heilmittel GmbH, die auch die Dr. Hauschka Naturkosmetik herstellt. Der wässrig-alkoholische Ringelblütenauszug, um den er sich so ausdauernd kümmert, wird einmal als Zutat in After Sun Lotion oder Gesichtsmilch gerührt werden. Doch noch ist die Flüssigkeit nicht reif dafür.

Aufwendiges Verfahren

Nach einer Woche Ruhen und Rühren wird der Ringelblumen-Auszug abgepresst und filtriert. Eine Handvoll der ausgepressten Blüten wird getrocknet und über einer offenen Flamme verascht. Einen kleinen Teil dieser Asche schütten die Mitarbeiter der Firma Wala in die Flüssigkeit zurück und rühren noch einmal um, damit sie sich auflöst. Jetzt ist der Auszug fertig.

Das alles klingt für Außenstehende vielleicht ein wenig versponnen und macht noch dazu viel Arbeit. Einfacher wäre es, die Ringelblumen in ein Hochdruckgefäß zu geben und bei einigen Hundert Bar Druck flüssiges Kohlendioxid durchzuleiten. Auch so lassen sich die Inhaltsstoffe lösen. Ringelblumenextrakt steht dann in der Zutatenliste. Das mag all jenen genügen, die eine Heilpflanze auf ein paar wenige Inhaltsstoffe reduzieren. Da wird Johanniskraut zu Hypericin, Kamille zu Bisabolol und die Konzentration des jeweiligen Hauptwirkstoffes bestimmt die Qualität des Extrakts.

Jenseits der Schulchemie

Der Methode des Rhythmisierens liegt die Annahme zugrunde, dass in Pflanzen auch eine Qualität jenseits der Schulchemie steckt. Eine Kraft, Vitalität, Energie oder Information, die sich nicht in Molekülmodelle fassen und mit herkömmlichen Methoden messen lässt. Um diese Kräfte in ihren Produkte zu entfalten, gehen manche Naturkosmetikhersteller eigene Wege (unten).

In unserem Beispiel steckt das Verfahren sogar im Firmennamen. Die Buchstaben von „Wala“ stehen für Wärme-Asche-Licht-Asche. Der regelmäßige Wechsel zwischen Ruhe und Bewegung, zwischen der Dunkelheit des Topfes und dem aufsteigenden und schwindenden Licht der Sonne soll die Rhythmen und Polaritäten der geernteten Pflanze weiterführen und in der Flüssigkeit konservieren. Die Asche soll die körperlichen Kräfte der Pflanze dann schließlich in konzentrierter Form in den Auszug übertragen.

Wer bei solchen Überzeugungen an Mittelalter und Alchemie denkt, liegt nicht schlecht. Wala und Weleda sind anthroposophisch orientierte Unternehmen, die sich wie die biologisch-dynamische Landwirtschaft und die Demeter-Bewegung auf den Philosophen Rudolf Steiner berufen. Der kannte sich in der Alchemie und der ihr zugrunde liegenden Naturphilosophie gut aus und pflegte engen Kontakt mit den wenigen Alchemisten der Neuzeit wie Alexander von Bernus.

Die Prinzipien der Alchemisten

Ein Zweig der Alchemie, die Spagyrik, stellt aus Pflanzen, Metallen und Mineralien Arzneimittel her. Ihre Erkenntnisse und Methoden gehen bis auf die alten Kulturen Chinas, Indiens und Ägyptens zurück. Nach dem alchemistischen Weltbild enthalten alle Naturerscheinungen die drei Prinzipien Sal (Körper), Sulfur (Seele) und Mercurius (Geist). Um die Kräfte dieser drei Daseinsebenen freizusetzen, müssen die Arzneistoffe aus der Bindung an die Materie befreit, gereinigt und dann wieder vereinigt werden.

In dem Begriff Spagyrik stecken die griechischen Wörter „spao“ für trennen und „ageiro“ für verbinden. Dazu dient ein mehrstufiger Prozess, bei dem die Pflanze zuerst alkoholisch vergoren und der Gärsaft anschließend destilliert wird. Den Gärrückstand verascht der Alchemist und gibt ihn dann dem Destillat zu.

Stand der Sterne wichtig Dabei beachtet er auch den Stand der Sterne und verschiedene Rhythmen. So soll eine Essenz entstehen, die weitaus wirksamer ist als ein einfacher Teeaufguss der Pflanze. Ihren Höhepunkt erlebte die Spagyrik im 15. und 16. Jahrhundert, als der Arzt Paracelsus mit seinen Essenzen große Heilerfolge erzielte. Noch immer gibt es einige Arzneimittel- und Kosmetikhersteller, die sein Wissen in der Produktion einsetzen.

Einige alchemistische Prozeduren stammen vermutlich aus dem alten Indien. Die 5000 Jahre alte indische Heilkunst Ayurveda kennt Veraschungen ebenso wie aufwendige Reinigungs- und Konzentrationsprozesse, die dort „Sodhana“ heißen. Doch es gibt auch andere Prozeduren. So stellen die Inder ayurvedische Kräuteröle her, indem sie Heilpflanzen stundenlang in Öl köcheln. Eigenständig ist auch die Einteilung der unterschiedlichen Menschentypen mithilfe der Dosha genannten Energieebenen Vata, Pitta und Kapha. Sie prägen nach ayurvedischem Verständnis die geistigen Aktivitäten eines Menschen ebenso wie den Hauttyp. Vata stünde demnach für trockene, anspruchsvolle Haut. Ob in einem solchen Fall eine Vata-Creme besser wirkt oder ein rhythmisierter Rosenbalsam oder eine einfache Feuchtigkeitscreme – das muss jeder für sich ausprobieren. Vergleichsstudien gibt es bislang keine. 

Die Verfahren im Überblick

  • Rhythmus
    „Beim Säen richten wir uns wenn möglich nach den Mondrhythmen“, sagt Michael Straub, Leiter des Weleda-Heilpflanzengartens. Mit biologisch-dynamischen Präparaten fördert er das Zusammenspiel zwischen Kosmos und Erde. In der Herstellung setzt Weleda rhythmische Prozesse bei Produkten wie Mundwasser oder Zahnfleischbalsam ein, die auch therapeutisch wirken sollen.
  • Spagyrik
    Martina Gebhardt setzt in ihren Produkten spagyrische Essenzen ein. Besonderen Wert legt sie auf die in der Asche enthaltenen Salze der Pflanze. Sie löst die Asche in Wasser und lässt die Salze in einem rhythmischen Verfahren mehrmals auskristallisieren. Im Salz steckt für sie „das Gedächtnis der Erde“, das die menschlichen Zellen an ihr natürliches Gleichgewicht erinnert.
  • Pflanzen-Mazeration
    Mehrere Wochen stehen die Glasballons der Firma Tautropfen mit biologischem Sonnenblumen- oder Mandelöl Tag und Nacht im Freien. Darin schwimmen die Blüten von Rosen, Kamillen, Ringelblumen oder anderen Heilpflanzen. Mazeration nennt sich dieses Verfahren, bei dem die Pflanzenwirkstoffe ins Öl übergehen.
  • Edelsteine
    Das Schweizer Unternehmen Farfalla setzt Kombinationen aus drei Edelsteinen in Bio-Jojoba-Öl an. Das angewandte Verfahren ist vergleichbar mit der Mazeration. Die Edelsteine werden in Pflanzenöl eingelegt und dabei gehen die Informationen und Eigenschaften der Steine in das Öl über.
  • Auch die Firma Light of Nature, die sich ganz auf spagyrische Naturkosmetik spezialisiert hat, bietet unter anderem Cremes und Hautöle mit spagyrisch-alchemistischen Essenzen aus Edelsteinen wie Rubin, Smaragd, Saphir oder Bergkristall.
  • Ayurveda
    Mehrere Firmen bieten ayurvedische Kosmetik an. Umfangreiche PflegeSortimente stammen von Maharishi Ayurveda, Apeiron und Cosmoveda. Von Lakshmi gibt es ayurvedische Kajals in Demeter-Qualität, Lippenstifte und Naturparfums.

Bildnachweise: wala

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