Rot, süß &
verführerisch
Bald ist wieder Kirschenzeit: Die mundgerechten Früchte gehören zum Leckersten, was der Sommer zu bieten hat – und sind zudem kleine Vitaminbomben. // Von Jutta Krause
Wochen bevor die roten Früchtchen reif sind, zeigt sich der Kirschbaum von seiner schönsten Seite: Gegen Ende April öffnen sich die Knospen und verwandeln den Baum in ein weißes Blütenmeer. Ein lautes Summen erfüllt dann die Luft rund um den Baum: Die Bienen sammeln Nektar für den Frühjahrshonig und sorgen dabei gleichzeitig für die Bestäubung, ohne die es im Sommer keine Kirschen gäbe.
Süße Ravioli mit SabayonFür 4 Personen Nudelteig:
Füllung:
Sabayon:
Die Zutaten für den Nudelteig in eine Küchenmaschine mit Schlagmesser füllen und kräftig vermischen. Auf die Arbeitsfläche geben und kneten, bis der Teig nicht mehr klebt. Zu einer Kugel formen und in Folie gewickelt 1 Stunde ruhen lassen. Für die Füllung die Amaretti zerbröseln, in einen Gefrierbeutel füllen und mit dem Nudelholz einige Male darüber rollen. Ricotta und Puderzucker in einer Schüssel mit einem Schneebesen glatt rühren. Amarettibrösel, Kirschen und Likör untermischen. Den Nudelteig in zwei Portionen teilen und jeweils zu einem großen Rechteck auf einer bemehlten Arbeitsfläche dünn ausrollen. Im Abstand von 3 bis 4 cm jeweils etwas Füllung auf eine Teigplatte setzen, die Ränder dazwischen mit Eiweiß bestreichen und die zweite Teigplatte darüber legen. In den Zwischenräumen gut nach unten andrücken und mit einem Teigrädchen in Rechtecke schneiden. Auf einem bemehlten Küchentuch etwas trocknen lassen. Für die Sabayon die Eigelbe und den Zucker mit dem Handrührgerät (Rührbesen) in einer Schüssel cremig rühren. Die Schüssel auf ein heißes, nicht kochendes Wasserbad setzen. Den Weißwein unter weiterem Schlagen zur Eigelb-Zucker-Mischung geben. So lange weiterschlagen, bis die Creme das Doppelte an Volumen erreicht hat. Die Schüssel aus dem Wasserbad nehmen und die Creme kalt schlagen. Kirschen untermischen. Die Ravioli in kochendem leicht gesalzenem Wasser 4 bis 6 Minuten garen. Anschließend die Ravioli auf Tellern anrichten und mit der Sabayon servieren. |
Nicht nur die Bienen sind berauscht von der duftenden Kirschblüte, auch beim Menschen kann sie heftige Frühlingsgefühle auslösen und selbst erfahrene Biologen in Erstaunen versetzen. Einer von ihnen wollte es genau wissen. Zusammen mit seinen Studenten verbrachte Prof. Dr. Andreas Roloff von der Technischen Universität Dresden einen Nachmittag damit, die Blüten eines älteren, wilden Kirschbaums zu zählen. Das Ergebnis: Etwa eine Million Blüten!
Am besten frisch vom Baum
Kaum hat sich die weiße Pracht verabschiedet, sprießen kräftig-grüne Blätter, die im Sommer willkommenen Schatten spenden. Seine größte Attraktion hält der Kirschbaum dann ab Juni bereit: Die harten grünen Früchtchen, die sich aus den Blüten gebildet haben, wechseln die Farbe und schimmern verführerisch rot durchs Blattgrün.
Nun heißt es geduldig warten, bis sie die nötige Reife haben, dann kann endlich die Ernte beginnen. Direkt vom Baum schmecken die Kirschen am besten, die Ernte ist jedoch nicht ganz ungefährlich: Wer auf einer hohen Leiter in der Baumkrone steht, sollte auf jeden Fall schwindelfrei sein.
Frische Kirschen gehören mit zum Leckersten, was der Sommer zu bieten hat. Sie bestehen zu 80 Prozent aus Wasser und sind mit nur 65 Kalorien pro 100 g Frucht ein ebenso leichter wie gesunder Genuss. Kirschen sind reich an Kalium, Phosphor, Eisen, den Vitaminen B1, B2, B6 und C sowie Folsäure und Betacarotin.
Das Beste an den roten Früchten ist jedoch ihr hoher Gehalt an Anthozyanen. Den roten Pflanzenfarbstoffen werden entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Sie können demnach zellschädigende freie Radikale binden und gelten daher auch als krebsvorbeugend.
Viele gute Gründe also, zur Kirschenzeit ordentlich zuzulangen. Dabei sollte man jedoch auf die Herkunft der Früchte achten. Besonders konventionelle Frühkirschen aus dem Ausland sind häufig mit Pestiziden belastet. Mit Bio-Kirschen kann man dagegen auf Nummer sicher gehen.
Kirschen gehören zur Familie der Rosengewächse und sind mit Apfel, Pfirsich, Pflaume und Mandel verwandt. Die wilde Vogelkirsche (Prunus avium) ist nicht nur der Baum des Jahres 2010, sie ist auch die „Urmutter“ aller etwa 500 verschiedenen Süßkirschensorten und dient nach wie vor als Veredelungsunterlage für die vielfältigen Zuchtformen. Es gibt frühe, mittelspäte und späte Sorten mit gelben, roten oder schwarzroten Früchten. Man unterscheidet vor allem zwischen Herzkirschen mit weichem Fruchtfleisch und den festfleischigeren Knorpelkirschen. Sauerkirschen gehören zu einer anderen Art (Prunus cerasus), besitzen aber fast dieselben Eigenschaften wie ihre süßen Verwandten.
Kirschkerne aus der Steinzeit
Ob unsere Vorfahren in der Steinzeit Süß- oder Sauerkirschen aßen, ist nicht überliefert. Dass sie zumindest die Wildform der Früchte kannten, belegen Kirschkernfunde in den Pfahlbautensiedlungen Süddeutschlands. Der Legende nach war es der römische Feldherr Lukullus, der die Kulturformen der Kirsche bei einem Raubzug in Kleinasien entdeckte und über die Alpen nach Nordeuropa brachte.
Während man Süßkirschen am besten frisch genießt, eignen sich Sauerkirschen hervorragend für Desserts, zum Backen und zum Einkochen. Beide lassen sich gut einfrieren. Wenn sich der Kirschbaum dann im Herbst mit einem prächtigen Feuerwerk an leuchtend gelbem Herbstlaub in die Winterruhe verabschiedet, kann man so von den Vorräten zehren und dabei vom nächsten Sommer träumen.
Party unterm Kirschbaum
In Japan ist die Kirschblüte ein wichtiges Symbol. Sie steht für Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit und markiert den Beginn des Frühlings. Ihr zu Ehren wird dort seit rund 1000 Jahren das Kirschblütenfest gefeiert. Man trifft sich unter den blühenden Bäumen und berauscht sich an deren Duft, an der Gesellschaft von Freunden und Familie und am reichlich fließenden Sake. Während die Kirschblüte sich vom Süden Japans nach Norden bewegt, wird mit dem Wetter auch die „Kirschblütenfront“ verkündigt, die besagt, wo die Bäume gerade blühen.
Wie weit die Blüte jeweils vorangeschritten ist, besagen Anzeigentafeln in den örtlichen Parks. „Sambuzaki“ bedeutet eine 30-Prozent-Öffnung, „Mankei“ volle Blüte – wichtige Gesprächsthemen beim „Hanami“, dem „Blütenschauen“.
Urmutter aller Süßkirschen
Viele interessante Infos rund um die Vogelkirsche finden sich auf der Website www.baum-des-Jahres.de
Vielseitiger Kern
Mitten im süßen Fruchtfleisch sitzt der harte Stein: der Samen der Kirsche. Kirschkerne eignen sich nicht nur bestens für Weitspuckwettbewerbe (der offizielle Rekord liegt derzeit bei knapp 22 Metern), sie sind auch hervorragende Wärmespeicher. In Kirschkernkissen geben sie ihre angenehm trockene Wärme langsam ab und lindern damit Wehwehchen aller Art. Mit Kirschkernen gefüllte Tastsäckchen finden auch in der Ergotherapie Verwendung. Sogar als Material für kunstvolle Schnitzereien taugen die kleinen harten Kerne: Im Grünen Gewölbe des Dresdner
Schlosses ist ein Kirschkern ausgestellt, in den ein unbekannter Künstler mehr als 100 verschiedene Gesichter schnitzte.
Für trockene Haut
Die sahnig-milde Maske „Cherry Blossom“ von Neobio versorgt durstige Haut mit einer Extraportion Feuchtigkeit. Mit Wirkstoffen wie Kirschextrakt, Bio-Jojobaöl und Ballonrebenextrakt soll sie Spannungsgefühle mildern und beruhigen.
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Schlosses ist ein Kirschkern ausgestellt, in den ein unbekannter Künstler mehr als 100 verschiedene Gesichter schnitzte.