Sehr sensibel!
Röten, jucken, brennen, schuppen – das alles gehört zum Repertoire empfindlicher Haut. Sie mag die heiße Dusche nicht, nimmt die trockene Klimaanlage oder die neue Bodylotion übel. Doch es gibt ein paar Helferlein, mit denen man die Mimose besänftigen kann. // Von Astrid Wahrenberg
SOS: Feuchtigkeit dringend nötig
Hätte sie eine Stimme, wäre ihr Klagen und Wehen sicherlich weit zu hören. Empfindliche Haut reagiert auf unterschiedlichste Einflüsse wie ein Sensibelchen. Inzwischen muss sich fast jede zweite Frau ganz besonders um ihre mimosenhafte Oberfläche kümmern. Sie beschreiben immer die gleichen Symptome: Juckreiz und Spannungsgefühl, Brennen oder Kribbeln nach dem Eincremen, bei manchen rebelliert die Haut mit roten Flecken, bei anderen schuppt sie sich. Die Ursache dafür: Die Nervenenden in der obersten Hautschicht – der Hornhaut – reagieren gereizt. Treten solche Irritationen besonders häufig auf, sprechen Dermatologen von sensibler Haut.
Es scheint auch eine Typfrage zu sein. Rothaarige und Blonde kennen das nur zu gut. Etwa im Winter, wenn Heizungsluft drinnen und Minusgrade und Wind draußen dem zarten Teint zusetzen. Oder wenn im Büro rund ums Jahr die Klimaanlage brummt. Sie entzieht der Haut wie ein Staubsauger Feuchtigkeit. Kein Wunder, wenn die Haut dann irgendwann SOS-Signale sendet. Meist jedoch weiß sie sich selbst ganz gut zu helfen und nach wenigen Stunden ist der Spuk wieder vorbei. Denn gesunde Haut ist eigentlich mit einem robusten Eigenschutz ausgestattet. Fette und Feuchthaltefaktoren in der Hornschicht, die der Körper selbst produziert, halten sie geschmeidig und verhindern, dass sie zu viel Feuchtigkeit verliert.
Bleiben die Symptome hartnäckig bestehen, sollte ein Hautarzt die Ursache klären, denn eventuell stecken auch eine Allergie oder Entzündungsprozesse dahinter. Wenn das ausgeschlossen werden kann, hilft oft eine Umstellung der Hautpflege. Leider machen viele jedoch in bester Absicht genau das Falsche: Weil sich die Haut pergamentartig trocken anfühlt, schmieren sie mit fettreichen Salben. Dazu wird die Haut mehrmals täglich mit Waschlotionen oder alkoholischen Reinigungswassern traktiert. Mit reichhaltigen, nährenden Masken will man sie regenerieren und mit Nährstoffen von außen „füttern“. Wenn sich jedoch der Erfolg nicht rasch einstellt und sich das Hautbild gar verschlechtert, werden in kurzer Zeit viele verschiedene Produkte ausprobiert. Das gibt der Haut den Rest, der Eigenschutz gerät völlig durcheinander. Häufig sprießen unter den fettreichen Cremes Pickel und Mitesser.
Fazit: Dass trockene Haut vor allem Fett braucht, ist ein Missverständnis. Sie benötigt mindestens genauso dringend eine große Portion Feuchtigkeit. Um eine mit Fett überpflegte Haut zu regenerieren, kann eine „Fett-Diät“ helfen. Dafür eignen sich etwa fettfreie Gelprodukte oder Serum-Ampullen-Kuren. Die Haut kann freier atmen, ihre Eigenfunktionen kommen wieder in Schwung. Das kann allerdings bis zu vier Wochen dauern. Im Übergang, wenn die Haut spannt, kann man sie immer mal wieder mit einem Sprüh-Toner erfrischen und entspannen. Wichtig: Die Produkte sollten möglichst wenig Wasser und keinen Alkohol enthalten. Ideal sind beispielsweise Produkte mit viel Aloe-vera-Saft.
Stress vermeiden
Wir laufen rot an wie eine Tomate und werden bei Schmerzen blass – unsere Haut verrät, wie wir uns fühlen. Wissenschaftler sind sich daher schon lange sicher, dass psychische Belastung die Haut krank machen kann. Bei Neurodermitis gilt ein Zusammenhang als erwiesen. In einem Versuch mit Mäusen konnten Forscher der Universität von Kalifornien zeigen, dass sich Stress direkt auf die Hautgesundheit auswirkt. Demnach bekamen viele Mäuse, die Stress ausgesetzt waren, Hautinfektionen mit einem Bakterium, das auch bei Menschen häufig vorkommt. Als Ursache dafür vermuteten die Wissenschaftler, dass Stresshormone den Hautschutzmantel löchrig werden lassen, weil sie den Transport körpereigener Antibiotika in die Haut blockieren. In einem Gegenexperiment unterdrückten die Forscher die Wirkung der Stresshormone. Prompt blieben die Hautreaktionen aus.
Sind es die Gene?
Solange die Haut keine Probleme macht, vergessen wir gerne, dass sie tagtäglich einen unglaublich guten Job macht. Doch manchmal wird es ihr zu viel. Ursache dafür können auch die Gene sein. Sensible Haut ist oft auch ein Hinweis darauf, dass man eine Veranlagung für eine Hauterkrankung wie Neurodermitis geerbt hat.
Dermatologen haben beobachtet, dass sich in Familien, in denen einer an dieser allergischen Hauterkrankung leidet, Angehörige häufig mit einer trockenen, sensiblen Haut herumschlagen.
Trockene Haut kennen auch viele, die die 50 überschritten haben. Denn mit dem Alter lässt die Produktion hauteigener Fette, Enzyme und Feuchthaltefaktoren nach. Während der Wechseljahre findet außerdem eine Umstellung im Hormonhaushalt statt. Der Körper produziert weniger Östrogen. Dieses Hormon hat eine Schlüsselrolle bei der Produktion der elastischen Fasern Kollagen – ein ausgezeichneter Feuchtigkeitsspeicher. Weniger Östrogen bedeutet nicht nur mehr Falten, sondern auch, dass die Haut dünner, trockener und empfindlicher wird.
Auch eine Haut, die über Jahrzehnte völlig unauffällig war, kann plötzlich sensibel reagieren. Wir werden wortwörtlich dünnhäutiger. Die Barriere gegen äußere Einflüsse bröckelt, die Haut neigt zu Entzündungen, manchmal entsteht ein hartnäckiges Ekzem. Und leider braucht ältere Haut viel länger als junge, um sich zu regenerieren.
Erste Hilfe: mehr Ruhe
Sensible Haut, die gereizt reagiert, braucht zunächst vor allem Ruhe, damit sie regenerieren kann. Das bedeutet, dass die Hautpflege auf das Wesentliche reduziert werden sollte. Aggressive Waschlotionen, stark schäumende Duschcremes und scharfe Peelings sind jetzt tabu. Die Haut sollte höchstens zwei Mal pro Tag gereinigt werden, am besten mit rückfettenden Seifen oder milden Reinigungslotionen. Geeignet sind auch Wascherden wie Heilerde, grüne Mineralerde oder Rhassoul. Aber selbst milde Reinigungsmittel unbedingt sparsam anwenden, sprich: eine olivengroße Menge reicht. Wer sich nicht schminkt, braucht sowieso nur warmes Wasser zum Waschen.
Alkoholhaltige Produkte schaden mehr, denn sie trocknen die Haut zusätzlich aus. Für Duschen und Baden gilt: Nicht zu oft, nicht zu heiß und nicht zu lange. Nach jeder Dusche freut sich die Haut über Körperlotion oder Creme. Öl-Badezusätze im Wannenbad bewahren die Haut vor dem Austrocknen und wirken rückfettend.
Was Pflegeprodukte angeht, gibt es für sensible Haut leider kein Patentrezept. Sie ist unberechenbar und kann auf alles Mögliche reagieren, auch auf natürliche Substanzen. Extra für sensible Haut konzipiert sind naturkosmetische Pur-, Sensitiv- und Neutral-Serien. Die Cremes und Lotionen zeichnen sich durch hochwertige Zutaten wie Granatapfelöl, Traubenkernöl oder Nachtkerzenöl aus. Sie versorgen die Haut mit wertvollen, ungesättigten Fettsäuren, die ihrer Zusammensetzung am nächsten kommen. Nachtkerzenöl soll eine entzündungshemmende Wirkung haben. Mit Paraffin, das in vielen konventionellen Kosmetikprodukten steckt und aus Erdöl gewonnen wird, kann die Haut nichts anfangen – es hat keine wohltuende oder auch heilende Wirkung.
Pflanzliches Glycerin, Hyaluronsäure und Aloe vera dagegen bringen trockener Haut die dringend benötigte Feuchtigkeit. Einige Produkte enthalten Pflanzenauszüge und -extrakte mit entzündungshemmenden und beruhigenden Eigenschaften wie Kamille, Salbei, Hamamelis oder Iris. Manche Hersteller verzichten bewusst auch auf jegliche Pflanzenzutaten, weil sensible Haut selbst auf solche Substanzen reagieren kann.
Prinzipiell sollten Produkte mit möglichst wenig verschiedenen Inhaltsstoffen verwendet werden. Eine gute Teststelle für eine neue Creme ist die Armbeuge. Zeigt sich nach einigen Tagen der Anwendung dort keine Reaktion, eignet sich die Creme meist auch fürs Gesicht. Tabu sind in dieser Mimosenzeit Produkte, die Substanzen mit hautreizendem Potenzial wie synthetische Konservierungsstoffe, aggressive Tenside, Parfüm oder hautreizende Emulgatoren enthalten. Naturkosmetische Produkte sind generell frei davon.
Fazit: Je übersichtlicher die INCI-Liste auf einem Produkt, umso besser. Dann muss sich die Haut mit weniger Inhaltsstoffen auseinandersetzen.
Das mag Mimosen-Haut:
Lavera Neutral Reinigungsgel für das Gesicht - Weleda Milde Reinigungsmilch mit Hamamelisextrakt - Santaverde Aloe Vera Gel pur ohne Duft für den Körper - Logona Daily care sensitiv Bodylotion - Alva Rhassoul Mineral-Wascherde - Eubiona sensitiv Deo Roll-on - Bioturm 10 % Urea Lotion – I+M Duschgel Freistil parfümfrei - Primavera Feuchtigkeitsspray Neroli Cassis - Farfalla Feuchtigkeits-Gelmaske Rose-Iris – Dr. Hauschka Ampullen Hautkur sensitiv – Urtekram No Perfume Handseife
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