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Der Herr der DüfteDer Herr der Düfte

In Karlsruhe kreiert Roland Tentunian Naturparfüms in der Tradition der französischen Parfümeure des 17. Jahrhunderts. Sein wichtigstes Werkzeug ist die Nase // Von Willy Storck

Der Parfümeur und Diplom-Chemiker Roland Tentunian versteht sich als „Kunstwerker“. Mit seinen Naturdüften will er Geschichten von der Parfümerie erzählen, wie sie vor 300 Jahren war.

Schon am Eingang werden die Besucher von einem betörenden Duftgemisch empfangen. Auf den Kartons stehen Aufschriften wie „Thé Vert“, „Jasmin“, „Rose“ oder „Santal“. Daneben Regale mit Fläschchen und edlen Flakons, Kanistern und Fässchen. Zwischen all dem guckt ein freundlich blickender Mann mit Wuschelkopf und Brille hervor: Roland Tentunian, der „Herr der Düfte“.

In Deutschland gibt es etwa 30 Parfümeure – also Leute, die Düfte komponieren und deren wichtigstes Werkzeug die Nase ist. Zuzüglich der Vorstellungskraft, wie und in welcher Zusammensetzung ein neuer verführerischer Duft entstehen könnte. Der gebürtige Karlsruher Tentunian, dessen Familienname von einem armenischen Großvater herrührt, ist einer von ihnen.

Der 47-Jährige ist Gründer und Inhaber der Florascent Duftmanufaktur. Zusammen mit seinen zehn Mitarbeitern produziert er in der Karlsruher Waldstraße Naturparfüms und Düfte. Verwendet werden rein natürliche Blütenessenzen und alkoholische Auszüge aromatischer Pflanzen. Dabei sieht sich Tentunian ganz in der Tradition der französischen Parfümeure des 17. Jahrhunderts.

Natürlich hat er Patrick Süskinds „Das Parfum“ gelesen und findet die dortige Beschreibung des „Duftgedächtnisses“ sehr treffend: Düfte unterscheiden, differenzieren, wieder zusammenfügen. Er versteht sich als „Kunstwerker“: „Ich versuche, Geschichten zu erzählen von der Parfümerie, wie sie vor 300 Jahren gewesen ist, und will das von damals auf das Heute transformieren.“

Schon als Kind interessierte sich Tentunian für Gerüche. Er erinnert sich an einen Bulgarien-Urlaub mit seinen Eltern: „Dort gab es nicht nur Rosenmarmelade zum Frühstück, sondern auch kleine Fläschchen mit Rosenöl zu kaufen.“ Damals war er fünf. Eines dieser Rosenöl-Fläschchen hat er immer noch.

Während seine Mitschüler sich für Fußball begeisterten, experimentierte der kleine Roland lieber mit Shampoos, destillierte Flüssigkeiten und war schon früh Stammkunde einer Apotheke. Später studierte er – wen wundert’s – Chemie. Auf der Visitenkarte des Diplom-Chemikers steht allerdings „Parfumeur“. Das klingt nicht nur edler, sondern trifft die Sache auch besser. Dabei war der Anfang seiner Karriere recht profan: Erste Station war eine Firma in Bremen, die Scherzartikel mit Düften versah. Dann gab es Aufträge für WC-Steine oder Seifen nach dem Motto „aus wenig viel machen“.

Warum lehnt ein Chemiker die Chemie ab?

Vor 14 Jahren machte sich Tentunian selbstständig. Das Konzept war auf „edel“ ausgerichtet. In seinem Duftlabor kommen künstliche Duftstoffe nicht vor, alles ist Natur. Doch warum lehnt ausgerechnet ein Chemiker die Chemie als Zutat ab? „Parfüme sind komplexe Gemische“, sagt Tentunian. „Natur hat gegen Synthetik immer eine Chance.“ Was sich einfach anhört, ist in Wahrheit kompliziert.

In seinem Fall ist die Fähigkeit entscheidend, „so zu riechen, dass man erkennen kann, was einen Duft ausmacht.“ Wie bei der „wunderbaren Salbeiart“, die er auf Kreta entdeckte und deren Duft den Gedanken an ein Parfüm geradezu herausforderte. Klingt simpel, aber da die Natur durch und durch auch Chemie ist, weist der Chemiker Tentunian darauf hin, dass es bei der Vielzahl der Salbeiarten völlig unterschiedliche Chemotypen gebe. Zudem könnten ganz banale Riechstoffe mal so oder so und damit ganz verschieden riechen.

Riechorgel mit 3000 Fläschchen

Verwendet werden bei Florascent „nur kostbarste natürliche Essenzen“, denn wichtig ist der Charakter der Komposition. Dafür stehen rund 3000 unterschiedlich große Fläschchen in den Regalen. Die nennt Tentunian seine „Riech-Orgel“. Zwischen 50 und 100 einzelne Rohstoffe sind in einem Duft drin. Entwicklungszeit: Normalerweise ein gutes Jahr.

Eine andere Sache ist die Beschaffung der Rohstoffe. Die Qualität sei hier entscheidender als die Kosten. „Manchmal bin ich monatelang auf der Suche nach einem Produkt“, sagt der Parfümeur. Zitrusöl sei eben nicht gleich Zitrusöl und bei der Mimose gebe es „auch grauenhafte Produkte.“ Was destilliert im Parfüm wunderbar zu Geltung komme, rieche als getrocknetes Ausgangsprodukt möglicherweise überhaupt nicht.

Weiteres Problem: „Es gibt immer mehr Menschen mit empfindlicher Haut und deswegen immer schärfere Vorgaben. Der Beschaffungs- und Verwaltungsaufwand wird auch bei Naturstoffen deshalb immer höher.

Auch bei der Gestaltung und Vermarktung beweisen Roland Tentunian und sein Team Kreativität. Ob Etiketten, Verpackungen, Kataloge oder Werbedisplays inklusive Holzbearbeitung und Siebdruck – alles ist selbst kreiert. Das gilt auch für die Entwürfe für Flaschen und Flakons. Bei deren Inhalt sind aufgrund der Verwendung ausschließlich natürlicher Stoffe – und im Unterschied zur konventionellen Parfümerie – allerdings leichte Schwankungen unvermeidlich. Den Massenmarkt kann und will die Karlsruher Manufaktur nicht bedienen. Tentunian: „Wir wenden uns an Menschen, die das Besondere suchen, das Individuelle.“

Steckbrief

Name: Florascent Duftmanufaktur
Gegründet: 1996 von Roland Tentunian
Firmensitz: Karlsruhe
Mitarbeiter: 10
Produkte: Naturparfüms (Eau de Toilette, Eau de Parfum, Extrait de Parfum), Raumdüfte, Raumsprays
Besonderheiten: Alles bis hin zu den Verpackungen wird im eigenen Haus entworfen.

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