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Wechseljahre, na und ?Wehseljahre

Mit diesen Fitness-Tipps gehen Sie gelassen durch die Menopause– und das Wort „Hitzewallungen“ bekommt eine ganz andere Bedeutung. // Von Sabine Kumm

Tanz der Hormone. Tatsächlich hat der Wechsel mehr zu bieten als Heulen und Zähneklappern: Er macht uns ein Stück unverwechselbarer. Schließlich bezeichnet das Klimakterium, so heißen die Wechseljahre, einen intensiv erlebten weiblichen Entwicklungsschritt, der uns wie kein anderer dazu zwingt, Klartext mit uns selbst zu sprechen: Was habe ich bisher getan? Was ist jetzt noch möglich? Und was davon will ich überhaupt noch?

Wer sich mit diesen Fragen auseinandersetzt, gewinnt an Kontur und Persönlichkeit. Dass das nicht immer ohne „Wachstumsschmerzen“ abgeht, versteht sich von selbst. Wird doch in dieser Zeit unser ganzer Hormonhaushalt noch einmal ordentlich gegen den Strich gebürstet. Wechseljahre – das ist wie Pubertät. Nur mit anderen Vorzeichen, einem anderen Ziel. Jetzt geht es nicht mehr um die körperliche Fruchtbarkeit, doch dafür haben wir endlich Zeit für andere Dinge.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Etwa zwischen 45 und 55 Jahren stellen unsere Eierstöcke langsam ihre Arbeit ein und produzieren entsprechend weniger Östrogen und Progesteron. Ein kompliziertes Wechselspiel hormoneller Rückkopplung beginnt sich nun auf unsere Kosten auszutoben. Ganz klar: So richtig freut sich von uns keine über ihre Wechseljahre.

Selbst wenn es durchaus Kulturen geben soll, in denen das ganz anders ist, ältere Frauen mehr Rechte und Freiheiten haben. Wir haben erst mal mehr Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Wir werden zu emotionalen Tretminen. Nie wieder Schwangerschaft, kein verlässlicher Menstruationszyklus und die jugendliche Frische ist auch dahin – kein Wunder, dass wir für ein paar Jahre ein bisschen durch den Wind sind.

Raus aus den Startlöchern

Sport und Bewegung an der frischen Luft helfen über so manche Beschwerde hinweg. Zumal der steigende Spiegel des männlichen Hormons Testosteron sogar noch zusätzlich Lust darauf macht, mal wieder so richtig Gas zu geben. Am Ende sind die Wechseljahre sogar die beste Gelegenheit, die bis dahin vielleicht zu kurz gekommenen Mobilitätswünsche auszuleben und Neuland zu erobern.

Mit der Sicherheit eines erfolgreich gelebten halben Jahrhunderts im Rücken, können wir die neue Freiheit auf mehr als nur einer Ebene proben: Mutter fängt auf einmal an zu spinnen? Gut so! Lange genug hat sie brav in den Startlöchern gesessen und auf das Signal zum Aufbruch gewartet. Jetzt ist Schluss mit ewiger Nettigkeit – Mutter lernt Kickboxen. Das ist tausendmal besser als jedes Antidepressivum und jede Hormonersatztherapie.

Selbst ist die Frau. Wer aktiv wird, fühlt sich nicht mehr ausgeliefert, sondern nimmt die Dinge selbst in die Hand. Warum nicht joggen gehen, wenn die Emotionen aus dem Ruder laufen, oder beim Herz-Kreislauf-Training schwitzen, wenn einem ohnehin bei jeder Gelegenheit das Blut zu Kopf steigt? Viele Frauen in den Wechseljahren erleben, dass Hitzewallungen sich durch regelmäßigen Sport beträchtlich lindern lassen.

Außerdem: Wer etwas für den Muskelaufbau tut, trägt nicht nur dazu bei, das Osteoporose-Risiko zu verringern, sondern hält auch das gute alte „Hüftengold“ im Rahmen. Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walking machen spürbar bessere Laune und senken das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Auch die Seelenmassage kommt auf ihre Kosten: Mit regelmäßigen Bewegungsterminen schaffen wir uns wieder verlässliche Auszeit-Nischen – einen selbst bestimmten Ersatz für die Gezeiten der Menstruation.

Dabei tut es nichts zur Sache, ob wir schon vorher Sportskanonen waren oder nicht. Sanftes Yoga, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung lassen uns befreit durchatmen und gut schlafen. Feldenkrais-Übungen stärken das Körpergefühl. Beckenboden-Training in der Frauengruppe verhindert Blasenschwäche und sensibilisiert uns für das Zentrum unserer Weiblichkeit.

Weiblichkeit hoch zwei

Dass die Weiblicheit mit der körperlichen Fruchtbarkeit keineswegs schwindet, beweisen prominente Frauen wie Iris Berben, Katja Flint, Christine Neubauer oder Nena zur Genüge. Die passen auch ohne monatliche Unpässlichkeit in die Welt und verkörpern das Bild der attraktiven, gestandenen Frau um die 50, die selbstbewusst und aktiv am Leben teilnimmt. Genau diese Einstellung lässt uns die Wechseljahresbeschwerden gar nicht erst als so dramatisch empfinden. Also: Tschüss Babys, tschüss Familienphase. Es war schön mit euch, aber jetzt blicken wir nach vorne, regellosen Zeiten entgegen. Und wenn unsere Hormone tanzen – dann tanzen wir einfach mit.

Weitere Informationen

 

Gisa Bührer-Lucke: Wechseljahre. Positiv und entspannt in eine neue Lebensphase. Humboldt  / Schlütersche. 150 Seiten. 8,90 Euro.

  Dinah Rodrigues: Hormon-Yoga. Das Standardwerk zur hormonellen Balance in den Wechseljahren. Schirner. 304 Seiten. 21,95 Euro.
  Christiane Northrup u.a.: Weisheit der Wechseljahre. Selbstheilung, Veränderung und Neuanfang in der zweiten Lebenshälfte. Zabert Sandmann. 566 Seiten. 25 Euro.
wechseljahre-und-sportmachen.de
frauengesundheitszentren.de

Menopause mit Prickeln im Bauch

So geht‘s im Film: Das Publikum hält den Atem an: Diane Keaton und Jack Nicholson – beide nicht mehr ganz taufrisch, aber umso verliebter – sind sich endlich nähergekommen. Gerade hat er sie genüsslich aus dem züchtigen Rollkragenpullover geschält. Kaum mehr beherrscht, schafft er es gerade noch, die Frage nach der Verhütung zu stellen. Sie triumphiert: „Meno-Pause!“, woraufhin er erleichtert jubelt: „Was bin ich für ein Glückspilz!“ Szene aus dem Spielfilm „Was das Herz begehrt“

Das beste Training für Ihren Typ

Ausdauer-Training gegen Hitzewallung
Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walking beugen Herzinfarkt und Schlaganfälle vor, senken den Blutdruck und verbessern die Durchblutung. Mäßige Belastung über einen längeren Zeitraum wirkt auf die Thermoregulation des Körpers und vermindert Hitzewallungen.

Muskelaufbau für starke Knochen
Gezieltes Training zum Muskelaufbau senkt das Osteoporose-Risiko, kräftigt den Rücken und andere Problemzonen und beugt Verspannungen vor. Beim Muskelaufbau-Training zeigen sich die Fortschritte sehr schnell – das stärkt den Körper und das Selbstvertrauen.

Beckenboden-Training entfacht die Lust
Beckenboden-Training fördert die Lust und beugt Gebärmuttersenkung und Blasenschwäche vor. Sexuelle Probleme lassen sich so oft beheben. Es ist nicht ganz einfach, Muskeln zu trainieren, die im Körperinneren verlaufen, deshalb am besten unter Anleitung.

Entspannt beweglich durch Feldenkrais
Die Feldenkrais-Methode schult das Körperbewusstsein. Schon minimale Haltungsvariationen ändern den gesamten Bewegungsablauf. Der organisiert sich zweckmäßiger und entspannter. So entsteht körperliche, geistige und seelische Beweglichkeit.

Yoga speziell fürs Hormonsystem
Yoga wirkt auf den ganzen Organismus. Manche Frauenzentren bieten für die Wechseljahre eine Hormon-Yoga-Therapie an. Die Übungen fördern unter anderem ein gutes Körpergefühl und die Fähigkeit, sich zu entspannen. Darüber hinaus beeinflussen sie die Hormonproduktion positiv.

Tanzen beflügelt Körper und Seele
Tanzen macht Laune. Bewegung mit Musik ist fast mühelos und trainiert Beine, Beckenboden und Rücken, ohne die Gelenke zu belasten. Es harmonisiert Körper und Seele. Wer regelmäßig tanzt, hält sich auf elegante Weise fit und gewinnt Lebensfreude dazu.

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