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Dänische KräuterDänische Kräuter

Urtekram entstand aus einem Hippie-Laden. Heute arbeiten 160 Menschen für die dänische Firma, die Naturkosmetik und Bio-Lebensmittel produziert – und Umweltschutz großschreibt.// Von Horst Fiedler

Rosen- und Kräuterduft, nostalgisch-romantische Etiketten und ein ungewöhnlich klingender Name: Ende der 70er-Jahre eroberten Shampoos und Seifen des dänischen Unternehmens Urtekram die Badezimmer friedensbewegter Deutscher. 1975 war die Firma aus einem Hippie-Laden in Kopenhagen hervorgegangen – und schnell über die Grenzen Dänemarks hinaus bekannt geworden.

Beliebt sind die Rosen- und Kräuterprodukte nach wie vor, und mittlerweile sind noch viele weitere dazugekommen: Viele verschiedene Shampoos, Körperlotionen, Seifen, Deos und eine eigene Pflegelinie für Babys ohne Parfüm. „Intet andet“ steht auf den Etiketten: „sonst nichts“. Ganz bewusst will man die Inhaltsstoffangabe auf der Kosmetik möglichst kurzhalten. „Wir wollen nicht zu viele Inhaltsstoffe verwenden – und schon gar keine, die unnötig sind“, sagt Urtekram-Geschäftsführer Lars Børresen. Man sei stolz darauf, nur eigene Kräuter-Extrakte zu verwenden und Konservierungsmittel durch Pasteurisierung zu vermeiden. Beim Rundgang durch die Produktionsstätte im beschaulichen Mariager in Ostjütland bestätigt sich diese Darstellung. Die Produktionsprozesse sind überschaubar, fast handwerklich. Und das, obwohl das Unternehmen heute 160 Menschen beschäftigt und knapp 50 Millionen Euro im Jahr umsetzt. Außer Naturkosmetik werden unter der Marke Urtekram auch Lebensmittel angeboten – aus eigener und fremder Herstellung.

Zu dieser Zweigleisigkeit bei den Sortimenten ist es gekommen, weil das Gründerpaar damals in den 70er-Jahren unterschiedliche Schwerpunkte hatte: Lisbeth Damsgaard bevorzugte die Produktion und Verbreitung von Bio-Lebensmitteln, Ronny McGrail fand seine Erfüllung in der Entwicklung von Naturkosmetika.

Öko-Investor steigt ein

Nachdem Mitte der 90er-Jahre finanzielle Schwierigkeiten aufgetreten waren, stieg Ross Jackson ins Unternehmen ein: Ein Investor mit Idealen, der zuvor mit Finanzberatungen im Währungsbereich ein Vermögen gemacht hatte. Der in Dänemark eingebürgerte Kanadier steht an der Spitze des Gaia Trust, der das Ziel hat, ökologische und nachhaltige Projekte zu unterstützen.

Das meiste Geld des Trusts fließt in das von Ross Jackson gegründete Global Ecovillage Network, das weltweit Öko-Dörfer fördert. Doch warum hat Jackson ausgerechnet in die Firma Urtekram investiert? „Als wir den Gaia Trust gegründet hatten, wollten wir eine Wende hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft unterstützen. Einen Teil der Gelder investierten wir in kleine grüne Firmen in Dänemark wie Solarzellenhersteller. 1995 bat uns der damalige Chef von Urtekram um Unterstützung. Wir fanden, dass der Betrieb zu unseren Zielen passte, sie stellten gute ökologische Produkte her“, erzählt er. Und heute sei er „sehr glücklich“, wie sich alles entwickelt habe.

Aus Sicht des Öko-Investors tragen Bio-Lebensmittel und Naturkosmetika auf jeden Fall dazu bei, die Welt zu verbessern: „Die konventionelle Landwirtschaft ist äußerst umweltschädlich. Sie schadet den Böden, sie verbraucht sehr viel Öl, Kunstdünger, Pestizide – und produziert jede Menge CO2. Und auch natürliche Kosmetika sind viel besser für unsere Gesundheit, da sie keine schädlichen Chemikalien enthalten.“

Viel Holz und große, doppelverglaste Fenster: Das Firmengebäude ist nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut (unten links). Mitte der 70er-Jahre eroberten Shampoos und Seifen mit nostalgischen Etiketten auch deutsche Badezimmer (unten rechts).
Firmengebäude
Geschäftsführer
Shampoos und Seifen
Die Produktion ist zum Teil handwerklich geblieben – wie hier, bei der Gewinnung von Kräuter-Substrat für die Shampoos.
Produktion

Kilometerpauschale für radelnde Mitarbeiter

Die ökologische Ausrichtung des Investors ist auch bei Urtekram unübersehbar: Die Wärme für den Firmensitz in Mariager liefert ein Kraftwerk, das mit Stroh aus landwirtschaftlichen Betrieben der Umgebung beheizt wird. Mineralöl kommt in dem nach biologischen Gesichtspunkten gebauten Firmengebäude nicht zum Einsatz. Die gesamte Elektrizitätsversorgung ist durch Windkraftanlagen sichergestellt. Große Fensterflächen im Bürotrakt lassen so viel Licht ins Gebäude, dass Schreibtischlampen nur selten eingeschaltet werden müssen. So weit möglich, werden nur recycelbare Materialien eingesetzt. Für Mitarbeiter gibt es Anreize, Energie zu sparen: Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, erhält eine Kilometerpauschale von derzeit 18 Cent. Und in der Betriebskantine gibt es nur Gerichte aus biologischen Lebensmitteln – gratis für alle Mitarbeiter.

Urtekram möchte mit seinen Produkten moderne, offene Menschen ansprechen, denen ein qualitativ gutes Leben wichtig ist. Missionieren will das Unternehmen nicht, es biete lediglich Hilfe an. „Wenn Menschen sehen, was wir an Zutaten nutzen, dann sind sie auch von sich aus bereit, unsere Produkte zu probieren“, erklärt Export-Leiter Steen Resen. Die Hauptzielgruppen der Firma sind: Frauen und Kinder, Familien, die die Umwelt schützen wollen, sowie Allergiker.

Die drei wichtigsten Säulen, auf denen die Produktion fußt, sind natürliche Rohmaterialien, Fairtrade und Problemlösungen bei Allergien und Unverträglichkeiten. Alle Inhaltstoffe werden in enger Zusammenarbeit mit dem Asthma- und Allergie-Verbund geprüft. Für die Zertifizierung setzt Urtekram auf Ecocert, einen weltweit tätigen Verband. Zudem sind die Produkte noch mit dem Siegel „Leaping Bunny“ für tierversuchsfreie Kosmetik ausgezeichnet. Tierversuche wurden bei Urtekram schon immer abgelehnt. „Unsere Produkte sind so rein, dass wir ohne Probleme Menschen finden, die sie für Sie an sich selbst ausprobieren“, lautet das Motto.

Die verwendeten Kräuter (Urtekram heißt übersetzt „Kräuter von hochwertiger Qualität“) stammen aus vielen Teilen der Welt, zum Beispiel aus Südamerika und China oder von der dänischen Insel Fünen.

Urtekram unterhält aber keine eigenen Plantagen. Die Rohmaterialien, zu denen beispielsweise auch der mineralhaltige Rohrzucker gehört, werden in den Ursprungsländern von Ecocert geprüft. Zur Philosophie des Unternehmens gehört auch, dass die Produkte für jedermann bezahlbar sein sollen.

Große Expansionspläne

Ross Jackson hat noch große Pläne für Urtekram: „Wir sehen uns als skandinavische Firma und wollen auch in die anderen skandinavischen Länder expandieren – nach Schweden, Norwegen und Finnland. Das Bewusstsein für umweltfreundliches Kaufverhalten ist dort zum Teil noch nicht so stark ausgeprägt wie in Dänemark oder Deutschland. Auch nach Übersee wollen wir expandieren, vorrangig mit unseren Naturkosmetik-Produkten.“ Bereits jetzt steht das „Intet andet“ – „sonst nichts“ – in den wichtigsten Sprachen auf den Etiketten.

Steckbrief

Name: Urtekram International A / S
Gegründet: 1975 in Kopenhagen von Lisbeth Damsgaard und Ronny McGrail
Firmensitz: Mariager in Ostjütland, Dänemark
(etwa 60 Kilometer nördlich von Aarhus)
Mitarbeiter: 160
Produkte: Das Body-Care-Sortiment von Urtekram umfasst 100 Produkte. Davon gehören 60 Prozent zum Hautpflegeprogramm, 20 Prozent zur Haarpflege, sechs Prozent gehören zu Zahnpasta und acht Prozent sind andere Artikel, wie zum Beispiel Deodorants. Unter der Marke Urtekram werden auch etwa 1500 Produkte aus dem Lebensmittelbereich angeboten.

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