Cosmia natürlich schön
 
Schönheit & Pflege


Anti-Aging aus der NaturAus eigener Erfahrung

Nach einem Unfall hat Margot Esser die heilende Wirkung der Aloe vera erfahren und anschließend ihre eigene Naturkosmetik-Firma gegründet. Sie setzt auf Pflanzensaft statt Wasser. // Von Leo Frühschütz

Manchmal winkt das Schicksal ziemlich deutlich. Bei Margot Esser bestand der Wink aus einem schweren Unfall während einer USA-Reise im Jahr 1983. Zwei Helfer brachten die Ohnmächtige mit Brandverletzungen zweiten und dritten Grades in die Erste-Hilfe-Station. Dort legte ein Naturheilkundiger das Gel aus frisch geschälten Aloe-vera-Blättern auf ihre Wunden. „Ich habe gespürt, wie es die Schmerzen wegnimmt, wie etwas aus dem Körper herausgeht“, erinnert sich Margot Esser. Nach drei Wochen waren die Wunden narbenfrei verheilt. Die Managerin aus der Pharma-Industrie sagte Beta-Blockern und Cholesterinsenkern ade und begann ein neues Leben als Naturkosmetik-Herstellerin. 1986 brachte sie unter dem Namen Pharmos Natur ihre ersten Produkte auf den Markt: Aloe-Vera-Ursaft und Heilpflanzenkosmetik. Die stachelige Lilie wurde zur Leitpflanze von Pharmos Natur. Egal ob Gesichtscreme, Lotion oder Shampoo: Margot Esser setzt immer Aloe-vera-Ursaft als Basis ein – statt Wasser: „Reiner Aloe-vera-Saft zieht sofort in die Haut ein und versorgt die Zellen mit einer Fülle an Wirkstoffen.“

Praxistest im Bauernhof

Im Gespräch ist die Firmengründerin kaum zu bremsen. Von Beispielen und Studien berichtet sie, in denen Aloe geholfen hat: Fälle von offenen Wunden, zur Unterstützung bei Diabetes, zur Regeneration der Haut bei Neurodermitis. Ohne Praxistest verlässt niemand ihren Firmensitz, einen alten Bauernhof im Voralpenland. Sie schneidet eine kleine Scheibe von einem mächtigen Aloe-Blatt ab und legt das Gel frei. „Streichen Sie das auf Ihren Handrücken.“ Ein kühles, klebriges Gefühl, doch wenig später ist die Haut wieder trocken und samtweich.

Auf der Suche nach den optimalen Pflanzen für ihre Produkte kam Margot Esser 1995 in die mexikanische Provinz Yucatan. „Die Maya-Bauern dort bauten in Mischkultur Mangos, Papayas und Bananen an und mitten drin wuchs die Aloe vera, strotzend vor Kraft. Das waren die Pflanzen, die ich haben wollte.“

Zuerst waren die Bauern skeptisch. „Für die waren wir Gringos und damit nicht vertrauenswürdig“, erinnert sich die Firmengründerin. Schließlich begann sie, mit zwei, drei Bauern zusammenzuarbeiten. Heute sind es 40 bis 50, die Aloe-Blätter liefern. Weitere Projekte in Cuba und Ecuador kamen hinzu.

In Chile dagegen brachten die Anbauversuche keinen Erfolg. Dafür stieß Margot Esser dort auf ein Universitätsinstitut, das sich mit den heilenden Eigenschaften der chilenischen Berg-Papaya beschäftigte. Die Kerne und das Kraut der Papaya gehören heute zu einem kleinen Sortiment an „Lebensgesundmitteln“, die Phar­mos Natur neben seiner Heilpflanzenkosmetik anbietet. Dazu zählt auch die indische Stachelbeere, Amla oder Nelli genant. Sie kommt schon in den ältesten indischen Ayurveda-Schrif­ten als Verjüngungsmittel vor. „Mich hat immer interessiert, welche Pflanzen alte Kulturen als Lebens- und Heilmittel verwendeten“, sagt die Firmengründerin.

„Gut mit den Menschen umgehen“ Diese Pflanzen tatsächlich dort anzubauen, wo die optimalen Wachstumsbedingungen herr­schen, ist für die Firmengründerin eines der drei Qualitätskriterien von Pharmos. Das zweite formuliert sie schlicht als „gut mit den Menschen umgehen“. Zu Beginn eines jeden Anbauprojekts sei ein Pharmos-Mitarbeiter mehrere Monate vor Ort, um zusammen mit den Bauern die Voraussetzungen für den Anbau zu schaffen. „Der Preis ist so festgelegt, dass ein Teil in Vorhaben vor Ort fließt, vor allem in Schulen“, sagt Margot Esser. In Nepal – wo Bauern schwarzen Sesam für die bayerische Firma anbauen – kümmerte sich das Unternehmen um Toiletten, Wasser und Strom. Anschließend initiierte die Firmengründerin einen Hilfsverein. Unabhängig, aber unterstützt von Pharmos Natur, baut die Schülerhilfe für Nepal seither Schulen und versorgt diese auch mit Unterrichtsmaterial.

Die Pflanzen aus den Anbauprojekten sind alle bio-zertifiziert. Besonderen Wert legt Margot Esser darauf, „die ganzen Wirkstoffe der Pflanze in ihrem Verbund zu erhalten.“ Wo immer möglich, werden deshalb ganzheitliche Pflanzenstoffe und keine isolierten Einzelstoffe eingesetzt.

Beim Vertrieb setzt Pharmos Natur auf den Fachhandel. „Unsere Produkte brauchen Beratung und Verkaufsstellen, die ein ähnliches Qualitätsverständnis haben wie wir.“ Um das sicherzustellen, beliefert Pharmos Natur Bio-Läden, Naturkosmetik-Geschäfte, Bio-Hotels und Kosmetiker­innen direkt. Doch zuerst werden deren Mitarbeiterinnen geschult. „Ohne Schulung, keine Produkte“. Ein Thema dabei ist die vorbeugende Wirkung der Kosmetika und Nahrungsergänzungen. „Den Körper mithilfe der Pflanzenkräfte in Balance bringen“, nennt Margot Esser das.

Steckbrief

Name: Pharmos Natur Green Luxury GmbH ⁄  ⁄ Gegründet: 1986 von Margot Esser ⁄  ⁄ Sitz: Uffing am Staffelsee ⁄  ⁄ Mitarbeiter: 30 ⁄ ⁄ Umsatz: 2,8 Millionen Euro ⁄  ⁄ Produkte: Kosmetika auf Aloe- vera-Basis, frische Aloe-Blätter, Nahrungsergänzungsmittel sowie Anwendungen für eigens ausgebildete Kosmetikerinnen.
Homepage: www.pharmos-natur.de

  weiterblättern>