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„Das kostet Zeit und Geld“„Das kostet Zeit und Geld“

Horst Spielmann ist einer der führenden Experten für Alternativmethoden zum Tierversuch. Hier erklärt er, warum immer noch so viele Tiere leiden müssen. // Von Leo Frühschütz

Warum dauert es so lange, bis sich tierversuchsfreie Methoden durchsetzen?

Das hat mehrere Gründe. Ein Tierversuch lässt sich nicht eins zu eins durch eine tierversuchsfreie Methode ersetzen. Viele Verfahren mit Zellkulturen funktionieren nur mit bestimmten Stoffgruppen, eignen sich aber für andere gar nicht. Auch können sie an Zellkulturen keine wochenlangen Beobachtungen machen wie an einem Auge. Für den Draize-Test am Kaninchenauge wurden weltweit neun verschiedene Testmethoden entwickelt. Keine von ihnen deckt alle Bereiche ab. Deshalb haben wir eine integrierte Teststrategie entwickelt und verschiedene Verfahren hintereinander geschaltet. Im ersten Schritt kann man die stark ätzenden und reizenden Substanzen ausschließen und im zweiten Schritt die nicht augenreizenden Stoffe. Aber Stoffe, die sich in diesen Tests als wenig reizend erwiesen haben, müssen derzeit noch am Kaninchenauge gestestet werden.

Weil es so vorgeschrieben ist?

Weil dieser Tierversuch weltweit anerkannt ist und eine Behörde in den USA oder Japan sich erst einmal nicht für europäische Alternativtests interessiert. Eine tierversuchsfreie Methode wird dann breit angewandt, wenn sie von allen wichtigen Industrieländern akzeptiert ist und umgesetzt wird. Die Voraussetzung dafür ist, dass sie von der OECD anerkannt wird. Dazu muss die Methode vorher in einem inzwischen festgelegten Verfahren experimentell validiert werden. Das heißt, drei anerkannte Institute müssen mit Versuchen bestätigen, dass die zuvor in jahrelanger Forschung entwickelte Methode praktisch funktioniert. Das alles kostet Zeit und Geld.

Lässt sich diese Zeit verkürzen?

Wir haben bei den Inhalten und in Verfahrensfragen in den letzten Jahren schon viel erreicht. Tierversuchsfreie Ersatzmethoden haben heute eine höhere Priorität, sodass es weit schneller vorangeht. 2004 bekamen wir die ersten vier Alternativmethoden nur akzeptiert, weil ich einen Experten der ZEBET ein Jahr nach Paris abgestellt hatte, um das bei der OECD voranzubringen. Aber immer noch muss man in diesem Bereich nicht nur Forscher, sondern auch Diplomat sein.

Die EU-Kommission sagt, die Zeit reicht nicht und will das endgültige Tierversuchsverbot in der Kosmetikverordnung verschieben. Überrascht sie das?

Dass solche politischen Terminvorgaben nicht eingehalten werden, kennen wir aus der Vergangenheit, das ist normal. Entscheidend ist: Diese Fristen haben die Forschung zu den Ersatzmethoden in Europa ganz wesentlich vorangebracht. Jetzt kommt es darauf an, dass genug Geld für die Forschung vorhanden ist und die Mittel in die richtigen Kanäle fließen.

Sollen doch die Konzerne zahlen, die Tierversuche machen.

Das tun sie seit Langem. Es sind vor allem Mitarbeiter der Industrieunternehmen, die sich für Ersatzmethoden engagieren und an Lösungen arbeiten. Wer kommt schon gerne heim zu seiner Tochter und sagt, heute habe ich wieder Kaninchen gequält? Auch die zunehmende Ablehnung von Tierversuchen durch die Verbraucher weltweit hat die großen Unternehmen längst handeln lassen. 2010 startete ein EU-Projekt, um einen Ersatz zu finden für die Tierversuche bei wiederholten Gaben von Schadstoffen. Die Hälfte der Kosten, 25 Millionen Euro, kommen von der Kosmetikindustrie.

Anti-Aging aus der NaturProfessor Horst Spielmann

lehrt an der Freien Universität Berlin und unterstützt die Koordinierung der EU-geförderten Forschungen zu tierversuchsfreien Alternativmethoden. Er leitete bis 2007 die Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET).

 

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