Das ist echte
Naturkosmetik
Natur ist in. Von diesem Trend möchten immer mehr Kosmetikunternehmen profitieren und werben mit einem „grünen Anstrich“ ihrer Produkte. Doch leider ist dies oft mehr Schein als Sein, denn ein paar Tropfen Bio-Mandelöl machen noch keine nachhaltige Körperpflege. Wir erklären Ihnen, wie Sie echte Naturkosmetik erkennen. // Von Astrid Wahrenberg
Die bekanntesten Naturkosmetik-Siegel in Deutschland
BDIH
2001 gab es endlich das erste verlässliche Naturkosmetik-Siegel, an dem sich Verbraucher orientieren konnten. Gegründet hat es der Verband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzung und Körperpflegemittel (BDIH). Etablierte Naturkosmetik-Firmen haben an den Richtlinien mitgearbeitet. Der BDIH-Standard verbietet den Einsatz von petrochemischen Rohstoffen (Erdölprodukten), chemisch-synthetischen Konservierungs-, Farb- und Duftstoffen. Außerdem beschreibt er Anforderungen für Gewinnung, Erzeugung und Verarbeitung von Rohstoffen. Tierversuche sind weder bei Herstellung, noch bei Entwicklung und Prüfung der Endprodukte erlaubt, Rohstoffe vom toten Tier dürfen nicht verwendet werden. Die Einhaltung kontrollieren unabhängige Prüfinstitute im Auftrag des BDIH.
2009 wurden die acht Jahre alten Richtlinien dem Fortschritt in der Branche angepasst und in einigen Punkten, etwa Rohstoffauswahl, verschärft. Früher mussten die eingesetzten Kräuter, Öle und Pflanzenextrakte nicht unbedingt aus kontrolliert-biologischem Anbau kommen. Jetzt ist der Bio-Anbau für 15 häufig eingesetzte Pflanzen, darunter etwa Ringelblume, Salbei oder Sheabutter, strikt vorgeschrieben.
Neu ist auch die Überprüfung der Bio-Auslobung auf dem Produkt: BDIH-zertifizierte Naturkosmetik darf sich nur dann mit dem Begriff „Bio“ schmücken, wenn der Bio-Anteil – ohne Wasser und Mineralien – im Gesamtprodukt mindestens 95 Prozent beträgt. Außerdem muss der Kunde in der Liste der Inhaltsstoffe dann klar erkennen können, welche Zutaten bio sind und welche nicht.
Anfang 2011 fiel außerdem der Startschuss für die zusätzliche Zertifizierung nach internationalem Cosmos-Standard (siehe Kasten). Damit bietet der BDIH die Möglichkeit, geprüfte Naturkosmetik in zwei Qualitätsstufen anzubieten.
Aktuell tragen rund 7000 Produkte von 180 Unternehmen in 22 Ländern das Siegel des BDIH. www.ionc.info
Natrue
Im Jahr 2007 gründeten führende Naturkosmetik-Firmen in Deutschland die europäische Organisation Natrue. Zu diesem Zeitpunkt setzten auch immer mehr konventionelle Kosmetik-Unternehmen das BDIH-Siegel ein. Naturkosmetikfirmen, die mit ihren Produkten noch strengere Anforderungen erfüllen, hatten kaum noch Möglichkeiten, sich deutlich abzuheben und den Qualitätsunterschied sichtbar zu machen.
Hinzu kam der Wunsch, den Begriff Naturkosmetik – ähnlich wie Bio-Lebensmittel – in der europäischen Gesetzgebung exakt zu definieren und zu verankern. Dafür macht sich der Natrue-Verband in Brüssel stark. Der Unterschied zum BDIH-Label liegt nur in ein paar Details. Bei Natrue stellen unabhängige Zertifizierer sicher, dass sich die Hersteller an die Richtlinien halten. Natrue unterscheidet drei Qualitätsstufen:
BIO-KOSMETIK Naturkosmetik mit mindestens 95% der Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau und/oder kontrollierter Wildsammlung
NATURKOSMETIK MIT BIO-ANTEIL Naturkosmetik mit mindestens 70% der Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau und/oder kontrollierter Wildsammlung
NATURKOSMETIK Inhaltstoffe sind natürlichen Ursprungs, müssen aber nicht aus kontrolliert biologischem Anbau sein
Ursprünglich signalisierten Sterne im Logo – von eins bis drei – den jeweiligen Standard des Produkts. Inzwischen verzichtet Natrue darauf und man kann die Unterschiede der drei Stufen nur noch mit Hilfe moderner Kommunikation herausfinden: Mit einem internetfähigen Handy kann ein sogenannter Quick-Response-Code – das ist ein Pixelbild auf der Verpackung – gescannt werden. Damit landet man dann direkt auf einer Internetseite, die über die jeweilige Qualitätsstufe des Produkts und die Inhaltsstoffe informiert. www.natrue.org
Ecocert
Ecocert gehört weltweit zu den größten Bio-Kontrollverbänden, er ist in rund 80 Ländern aktiv. Der französische Verband kontrolliert und zertifiziert Produkte und Systeme und ist als Bio-Kontrollstelle in Europa staatlich anerkannt. Gegründet wurde Ecocert im Jahr 1991. Zunächst waren es nur Bio-Lebensmittel, die das Siegel trugen. Seit 2002 zertifiziert Ecocert auch Naturkosmetik. Später kamen Naturtextilien und ökologische Putz- mittel dazu. Die Kriterien erlauben keine synthetischen Rohstoffe, Farb- und Duftstoffe. Bei den Konservierungsmitteln gibt es eine Ausnahmeregelung, die bestimmte Substanzen zulässt. Tierversuche und der Einsatz von Rohstoffen vom toten Tier sind verboten.
Derzeit sind europaweit rund 13 000 naturkosmetische Produkte Ecocert gesiegelt. Die Qualität von Naturkosmetik differenziert Ecocert in zwei Stufen:
Naturkosmetik Die Produkte müssen zu 95 Prozent natürlichen Ursprungs sein, der Bio-Anteil muss mindestens fünf Prozent betragen, bezogen auf die pflanzlichen Zutaten 50 Prozent.
Bio-kosmetik Mindestens 10 Prozent Bio-Anteil im Endprodukt, bezogen auf pflanzliche Zutaten 95 Prozent. www.ecocert.de
Diese Siegel kommen von unseren Nachbarn und sind vertrauenswürdig
Cosmebio ist die wichtigste französische Vereinigung für Naturkosmetik. Unter dem Dach des anerkannten Fachverbandes finden sich Unternehmen aller Verarbeitungsstufen: Labore, Hersteller und Zulieferer, Rohstoff-Lieferanten und Vertriebsfirmen. Gegründet wurde er im Jahr 2002.
Das internationale Bio-Siegel der Soil Association ist in Großbritannien so bekannt wie bei uns Demeter und Bioland. Ursprünglich wurden Bio-Lebensmittel zertifiziert, später kam Naturkosmetik dazu.
ICEA ist die Abkürzung für Istituto per la Certificazione Etica e Ambientale. Es ist in Italien das wichtigste Prüfsiegel für zertifizierte Naturkosmetik.
Eins für Europa: der Cosmos-Standard
Der BDIH (Deutschland), Cosmebio (Frankreich), Ecocert (Frankreich), ICEA (Italien) und Soil Association (England) haben sich zusammen getan und die Dachorganisation Cosmos-Standard AISBL gegründet. Das Ziel: Mit gemeinsamen Richtlinien einen einheitlichen Standard für Naturkosmetik in Europa zu schaffen. Ein einheitliches Logo gibt es aber noch nicht.
Kontrolliert und zertifiziert
Führende Tierschutzverbände haben die Kriterien für dieses internationale Siegel entwickelt. Sie entsprechen der Richtlinie für „Humane Cosmetic Standard“ (HCS). Die Firmen müssen ein Kontrollsystem in ihrer Lieferantenkette installieren. Die Angaben werden regelmäßig durch ein unabhängiges Audit überprüft. www.leapingbunny.org
Produkte, die dieses Markenzeichen tragen, enthalten mindestens 66 bis 90 Prozent Demeter-Rohstoffe. In Naturkosmetik können auch einzelne Demeter-Rohstoffe in der Zutatenliste unabhängig von der Menge ausgelobt werden. Demeter-Anbaukriterien sind strenger als die gesetzlichen Auflagen der EU-Bio-Verordnung. Überprüft werden sie von staatlich zugelassenen, unabhängigen Kontrollstellen. www.demeter.de
Steht für Naturkosmetik aus dem Reformhaus. Die Richtlinien erlauben synthetische Farbstoffe und chemisch-synthetische Farbstoffe, ebenso Emulgatoren wie Polyethylenglykole (PEG). Die Einhaltung der Kriterien überwacht eine unabhängige Zertifizierungsstelle. www.reformhaus.de
Die Euro-Blume wird für Produkte und Dienstleistungen vergeben, die geringere Umweltauswirkungen als vergleichbare aufweisen. Die Kriterien beschließt ein Gremium, in dem Vertreter von Umweltschutzorganisationen, Verbraucherverbänden, Industrie, Handel und Unternehmen sitzen. Bei Kosmetik gibt es nur Richtlinien für Seife, Shampoos und Haarspülungen, sie werden alle drei bis fünf Jahre aktualisiert. Im Kern beziehen sie sich auf eine umweltschonende Verpackung, die Bio-Abbaubarkeit und eine möglichst zurückhaltende Verwendung von umweltschädlichen und gesundheitsschädlichen Inhalts- und Hilfsstoffen. In Deutschland vergibt der Dienstleister RAL das Umweltzeichen. Die Zertifizierung erfolgt über Herstellererklärungen und Prüfberichte. www.eco-label.com ⁄ german
Kontrolliert, aber nicht von unabhängigen Stellen zertifiziert
Die grüne Blume steht für vegane Produkte. Dahinter steht die Vegan Society in England, die auch die Kriterien dafür aufgestellt hat. Es dürfen weder tierische Inhaltsstoffe wie Honig oder Seidenproteine, noch tierische Hilfsmittel wie Kasein oder tierische Trägerstoffe in der Produktion (z.B. Gelatine zur Filterung von Säften) verwendet werden. Tierversuche sind tabu. Die Siegelvergabe für deutsche Produkte erteilt die Vegane Gesellschaft Österreich (VGÖ). Sie prüft auch die Einhaltung der Kriterien auf der Basis einer Selbsterklärung der Unternehmen. www.vegan.at
Der Hase unter schützender Hand ist eine international eingetragene Marke für tierversuchsfreie Kosmetik vom Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik (IHTK). Die Richtlinien hat der Deutsche Tierschutzbund erarbeitet. Verboten sind u.a. auch Seide sowie der rote Farbstoff von Cochenille-Läusen. Firmen, die das Zeichen führen, müssen regelmäßig ihre Rohstofflisten mit Lieferantenangaben vorlegen und die Rezepturen ihrer Produkte offenlegen. Für die Kontrollen ist der Deutsche Tierschutzbund zuständig. www.ihtk.de
Selbst ausgedacht und ohne unabhängige Kontrolle
pure & natural
„Alle Inhaltsstoffe sind zu 95 Prozent natürlich oder natürlichen Ursprungs“ ist im kreisrunden Siegel zu lesen. Das mag stimmen. Ohne unabhängige, externe Kontrollen und Zertifizierung bleibt es jedoch ein Lippenbekenntnis. Über die restlichen fünf Prozent schweigt man lieber. Ein Blick auf die Zutatenliste der Body Milk zeigt beispielsweise künstliche Duftstoffe mit Allergiepotenzial sowie ein hautreizendes Konservierungsmittel, das in zertifizierter Naturkosmetik nichts verloren hat.
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