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Schönheit & Pflege


Die von der KüsteDie Kraft der Berge

Algen sind das Herz der Produkte von Oceanwell. Dabei hatten die Firmen-Gründer, eine Handvoll Wissenschaftler, zunächst mit Kosmetik überhaupt nichts am Hut. // Von Stephanie Silber

Mehr Meer geht nicht: Mitten im maritimen Kieler Stadtteil Holtenau hat die Firma Oceanbasis ihren Sitz. Zehn Meter vor der Eingangstür schwappt die Ostsee an den Kai und ein paar Schritte weiter machen große Segelschiffe fest. Hinten im Hafen liegen die riesigen Fähren nach Skandinavien. Ein passender Ort, um Naturkosmetik zu entwickeln, die auf Meeresalgen basiert.

In den Anfängen vor gut fünfzehn Jahren wusste allerdings niemand, dass aus diesem Projekt einmal Kosmetik entstehen würde. Damals schlossen sich eine Handvoll Meeresbiologen zusammen, um unter dem Namen Coastal Research Management (CRM) Küstenzonenmanagement zu betreiben. Sie hatten aber auch noch ein anderes, wissenschaftliches Ziel: Sie wollten sehen, ob es gelingen kann, etwas im Meer anzubauen. Ihnen kam die Idee, eine Algenfarm anzulegen, direkt vor den Toren Kiels. Ein Forschungsantrag wurde geschrieben, eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Und tatsächlich zeigte sich, dass sich die heimische Laminaria-Alge sehr gut zur Zucht eignet.

Zuerst waren die Algen

Zu diesem Zeitpunkt kam Dr. Inez Linke zum Team. Die Meeresbiologin machte nach einer Familienpause eine Weiterbildung in Marketing und neuen Medien und stieß bei der Praktikumssuche auf CRM. Genau richtig, wie sich herausstellte. Die Wissenschaftler überlegten nämlich gerade, was sie mit den Algen eigentlich anfangen sollten. "Alle waren glücklich, dass die Zucht so gut klappt. Nur, was sollten wir mit den Algen jetzt machen?" Inez Linke hatte die Idee, sie für Kosmetikprodukte zu nutzen.

Ein nahe liegender Gedanke, schließlich kann sich sehen lassen, was in der Alge steckt: Mineralien, Vitamine, Antioxidantien und noch einiges mehr, was der Haut guttut. Gemeinsam mit einem Apotheker verbrachte Inez Linke fortan viel Zeit im hauseigenen Labor, rührte, probierte, schüttelte – bis die Rezepturen für die ersten Cremes fertig waren. Eine Schwesterfirma, Oceanbasis, wurde gegründet und die Kosmetik kam 2001 unter dem Namen "Baltic Care" auf den Markt. 2008 gab es eine Neuauflage. Die Produkte bekamen ein anderes Outfit und den heutigen Namen: Oceanwell.

Die enge Verzahnung von Wissenschaft und Kosmetik gibt es bei Oceanbasis noch immer. Am Kieler Firmenstandort sitzen beide Sparten unter einem Dach. Dort werden neben Kosmetik auch Medizinprodukte entwickelt. Häufig arbeiten Doktoranden von Universitäten bei Oceanbasis. "Unser Herz hängt nun mal an der Forschung", sagt Inez Linke. So gab es beispielsweise ein Projekt mit der Uni Lübeck, bei dem rund sieben Jahre lang die Qualle erforscht wurde. "Wir haben unter anderem herausgefunden, dass die Qualle sehr viel Kollagen enthält, das sich hervorragend zur Wundheilung eignet", erklärt die Meeresbiologin. Die Ergebnisse der Forschung flossen auch in die Entwicklung der Serie Oceancollagen ein, die dieses Jahr auf dem Markt erscheinen soll.

Die Farm im Meer

Auch die Algenfarm, die gerade bio-zertifiziert wurde, betreiben beide Firmenzweige gemeinsam. Sie liegt in Sichtweite des Unternehmens in der Kieler Förde und erstreckt sich über rund 100 mal 100 Meter.

Zwischen November und Januar werden die kleinen Pflanzen im Labor zunächst auf das Meer vorbereitet. Dies geschieht mit einer speziell entwickelten Anzuchtanlage: Die Algen müssen sich an einer rund 1000 Meter langen Kulturleine anheften. Im Januar geht es dann raus in die eisige Ostsee. "Wenn das Wasser kalt ist, ist es besonders nährstoffreich", erklärt Inez Linke.

Zwischen 100 und 300 Kilo erntet Oceanbasis jährlich. Daraus entsteht etwa eine Tonne Algen-Extrakt. Erntezeit ist im Juni. "Wenn das Meer dauerhaft auf 15 Grad ansteigt, ist es Zeit für die Ernte." Ein Taucher-Team fährt mit dem Boot raus und holt die Leine mit der Hand ein. Anschließend muss alles sehr schnell gehen, da die Algen ganz frisch weiterverarbeitet werden. "Der wässrige Algenmatsch wird mit Hefekulturen versetzt", erklärt Inez Linke das Prozedere. "Durch den natürlich enthaltenen Algenzucker kommt es zur Gärung, die Bakterien knacken die Zellen und setzen die Inhaltsstoffe frei." Das ganze dauert vier bis sechs Wochen.

Eine weitere Zutat der Kosmetikprodukte ist Meerwasser aus der Ostsee, das Oceanbasis vom Therapiezentrum im Ostseebad Damp bekommt. Linke schwärmt vom Wasser der Ostsee: "Die Qualität hat sich in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert." Das ist gut für die Algen – und gut für die Haut.

Steckbrief
Name:
Oceanbasis ⁄ ⁄ Gegründet: 1994 unter dem Namen Coastal Research Management, Oceanbasis seit 2001 ⁄ ⁄ Firmensitz: Kiel ⁄ ⁄ Mitarbeiter: 14 ⁄ ⁄ Produkte: Gesichts- und Körperpflege der Marke Oceanwell; medizinische Kosmetik unter dem Namen Baltic Care; hochwertige Gesichtspflege der Marke Oceancollagen ⁄ ⁄ Besonderheiten: Die eigene Algenfarm vor den Toren Kiels. Homepage: www.oceanwell.de
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